Wernigerode. Noch kennt nicht jeder Wernigeröder den Fotografen Ludger Heinze. Aber das ändert sich mit Sicherheit. Der Quereinsteiger – er hat sich erst mit 55 Jahren entschlossen, zur Fotograf e zu wechseln – zeigt im Zentrum HarzKultur unter dem Titel " Nebenan und um die Ecke " künstlerische Fotograf en, eine erste Ausstellung über sein Schaffen.

Heinze betreibt seit ein paar Jahren ein Studio, in dem Arbeiten vom Porträt über den Akt bis zur Produkt- und Werbefotografe entstehen. Einen ganz anderen Charakter als die Studiofotos tragen die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten. Hier geht es um neue Sichten auf scheinbar Bekanntes, das Aufspüren von Schönheit und Besonderheit im ganz Alltäglichen. Details von Hinterhöfen, verlassenen Häusern und Gehöften verselbständigen sich und wecken manchmal ein trauriges Erstaunen.

Die umfangreichen Möglichkeiten der digitalen Fotograf e nutzt er, um zu verfremden, lineare Elemente zu betonen, die Farblichkeit zu intensivieren. Und so hängen Bilder in graubraun-grünen düsteren Tönen neben Bildern die ganz vom Licht leben. Reizvoll ist hier der Kontrast zwischen seinen Alltagsbeobachtungen und den Bildern von der Harzer Schmalspurbahn. Technische Details werden auf ihre grafische Struktur reduziert, oder bekommen in expressiver Farbigkeit eine ungewohnte Eigenständigkeit. So werden vier Schrauben, durch einen verdorrten Halm verbunden, zu einem kleinen Kunstwerk. Fotos von morbiden alten Gemäuern lassen Strukturen in Steinen sichtbar werden, die man sonst nie sieht. Und dann plötzlich ein Blick durch die herabhängenden Äste eines alten Baumes auf ein sauberes gepflegtes Fachwerkhaus. Der Gang durch die Ausstellung ist eine kleine Erlebnisreise.

Katja Reindel, HarzKultur-Chefin, und Kunstschmied Wolf-Dieter Wittig eröffneten die Vernissage und wünschten Ludger Heinze eine erfolgreiche Ausstellung und viel künstlerische Schaffenskraft.

Die Kunst- und Musikstadt Wernigerode ist um einen interessanten Aspekt reicher geworden.