Quedlinburg. Mit einem Paukenschlag hat die Vertreterversammlung der Ostharzer Volksbank begonnen. Aufsichtsratsvize Wolfgang Thomas musste dem staunenden Publikum am Montagabend sagen : " Unser langjähriges Mitglied Wolfgang Fischer hat in der Vorwoche seinen Aufsichtsratsvorsitz niedergelegt. Diese Entscheidung bedauern wir sehr. "

Über den Grund für diese weitreichende Entscheidung gab Thomas vom Podium aus keinerlei Auskünfte. Überraschend, selbst in der Aussprache der Bank-Genossenschaftsmitglieder stellte niemand öffentlich die Frage, warum Fischer auf eine festlich-feierliche Ehrung verzichtet und stattdessen den Bruch mit den Bankvorständen Bernd Grund und Josef Dahl auf diese Weise öffentlich gemacht hat.

Pikant an dem Rücktritt des Aufsichtsratschefs ist, dass er aus Altersgründen ohnehin planmäßig aus diesem Amt ausgeschieden wäre. Die Laudatio für den 65-Jährigen, der 23 lange Jahre ehrenamtlich im Aufsichtsrat tätig war, war geschrieben, auch der Reisegutschein für den Abschied bereits gekauft. Indes, dieser letzte öffentliche Auftritt fiel aus. Auf Volksstimme-Nachfrage sagte Aufsichtsratsvize Thomas : " Herr Fischer hat mir seine Gründe geschildert und mich um Verschwiegenheit gebeten, um seiner Bank nicht weiteren Schaden zuzufügen. Ich kann nur soviel sagen, dass es eine Auseinandersetzung mit dem Bankvorstand gegeben hat. "

Vorstandssprecher Josef Dahl, der in der Versammlung kurz zuvor sein Institut ob größtmöglicher Offenheit gerühmt hatte (" Soviel Transparenz wie unsere Ostharzer Volksbank bietet Ihnen keine Sparkasse, keine andere Bank. ") gab sich auf Nachfrage ungewohnt einsilbig : Ja, es habe ein Gespräch mit Wolfgang Fischer gegeben. Nein, dies könne nicht der Auslöser für dessen Rücktritt sein. Über die Gründe müsse dieser selbst Auskunft geben. Eine persönliche Verantwortung an der Mandatsniederlegung des Aufsichtsratschefs lehnte Dahl ab.

" Über bestimmte Vorgänge und die Art und Weise der Zusammenarbeit von Aufsichtsrat und Vorstand hat es unterschiedliche Auffassungen gegeben. Mehr will ich im Interesse der Bank nicht sagen ", erklärte Wolfgang Fischer. Der Volksstimme sagte er, sein Rücktritt sollte durchaus als Signal verstanden werden : " Ich plädiere stets für eine Form des fairen Miteinanders. Das Entscheidende dabei ist immer unsere Bank und nicht persönliche Befindlichkeiten. " Er, der sich selbst als jemand beschreibt, der keine unüberlegten Entscheidungen treffe oder gar ein " Heißsporn " sei, verteidigte seinen Mandatsverzicht vom vergangenen Mittwoch : " Ich will auch morgen noch in meinen Spiegel schauen können. "