Wernigerode ist am 28. August Gastgeber für die Arbeitsgemeinschaft Historische Fachwerkstädte. Im Rahmen der diesjährigen Triennale der gemeinnützigen Vereinigung stehen dann die Höfe in der Altstadt im Mittelpunkt. Dafür wird an zwei von ihnen mit konkreten Projekten begonnen.

Wernigerode. "‘ Höfe halten Hof ‘ ist ein wunderschöner Ansatz ", sagt Burkhard Rudo. Für Wernigerodes Baudezernent hat die Gemeinschaftsaktion von Harzsparkasse, Volksstimme, Bürgerpark und Stadtverwaltung entscheidende Impulse gesetzt und sogar bundesweites Interesse geweckt.

Die Arbeitsgemeinschaft Historische Fachwerkstädte in der Propstei Johannesberg mit Sitz in Fulda wird den Höfen im historischen Herzen Wernigerodes deshalb sogar einen Tag im Jahresprogramm ihrer Veranstaltungen widmen. Am Freitag, 28. August, tagen Fachleute aus Alsfeld, Bad Wildungen, Celle, Duderstadt, Einbeck, Eschwege, Grünberg, Hannoversch Münden, Helmstedt, Herborn, Homburg ( Efze ), Idstein, Königslutter, Marburg, Melsungen, Mühlhausen, Northeim und Wetzlar in der Remise. Rudo : " Unser Thema heißt ‘ Fachwerk hält Hof ‘". Und : " Wir haben es das ‘ Wernigeröder Modell ‘ genannt, weil wir hier das Zusammenspiel ganz vieler Akteure finden. In dieser Form ist das bundesweit einmalig ", zeigt sich der Dezernent schon ein wenig stolz darauf.

Eine Vielzahl von Fachwerkhäusern prägt Wernigerode stilistisch wie kein anderer Baustil. Burkhard Rudo : " Ohne sie wären wir gesichtslos. " Deshalb sei es umso wichtiger, sich engagiert mit den Defiziten auseinanderzusetzen. Dazu gehöre der Wegzug von Einwohnern, der in den neuen Bundesländern stärker ist als in den alten. Auch der veränderten Struktur des Einzelhandels mit dem Sterben kleiner Läden gelte es zu begegnen.

" Ohne sie wären wir gesichtslos "

Der Baudezernent : " Wir haben in der Altstadt einen Leerstand von etwa zehn Prozent. Es können aber auch 12, 13 sein. Das ist nicht so leicht zu ermitteln. " Fest stehe allerdings, dass die Quote erheblich höher liegt als für ganz Wernigerode gesehen. Da sind es laut Rudo nur fünf Prozent.

Um die Menschen aber zurück in die alten Gemäuer zu locken, bedarf es besonderer Angebote. Gerade die Höfe sind laut Rudo ein solches, weil sie einen entscheidenden Faktor in punkto Lebensqualität bedeuten.

Für die Fachwerk-Triennale, die im dreijährigen Rhythmus stattfindet, wurde analysiert, " Was haben wir eigentlich alles ?" 24 Objekte sind dabei in die Erstauswahl gelangt und in verschiedenen Kategorien erfasst worden. Diese heißen u. a. Wohn- und Gewerbe-, Kunst-, Kleinst-, Hotel- und Gastronomie- sowie multifunktionale Höfe. Der Baudezernent : " Wir haben natürlich auch aufgenommen, wo wir ganz interessantes Potenzial sehen. " Dies gebe es z. B. in der Heidemühle, der Westernstraße 4, der Steingrube 8 und am Oberpfarrkirchhof 2 / 3. Letzteres Ensemble ist eines von zwei konkreten Projekten, die bis zum 28. August zumindest in Angriff genommen werden sollen. Um das städtische Grundstück endlich an einen privaten Investor veräußern zu können, sollen das mitten auf dem Hof stehende Trafohäuschen umverlegt und ein maroder Schuppen abgerissen werden.

Die zweite Bau- und Schaustelle wird nach Rudos Ankündigung die Marktstraße 1 sein. An der dortigen Kemenate soll wieder eine Außentreppe als Zugang errichtet und eine weitere Scheune saniert werden.