Wernigerode. Es fällt Doris Wüstenhagen schwer, Abschied von einem Ehrenamt zu nehmen, das ihr ans Herz gewachsen ist. Es hat ihr stets viel Freude bereitet. Und dennoch war am Sonnabend Schluss. Doris Wüstenhagen hielt ihre letzte Festrede anlässlich zweier Jugendweihefeiern in Wernigerode. " Obwohl ich mich in jedem Jahr bemüht habe, etwas anderes vorzutragen, spürte ich doch die Wiederholungen. Manche der Jugendweihe-Gäste erlebten mich schon das zweite oder dritte Mal ", sagte die Sozialdemokratin, als sie nach dem Grund ihres Ausscheidens aus dem kleinen Kreis der ehrenamtlichen Festredner gefragt wurde.

Als sich nach der Wende neue Strukturen für die Jugendweihe bildeten, gehörte die Diplom-Chemikerin zu den engagierten Frauen und Männern, die sich für die Übernahme des Ehrenamtes bereit erklärten. Seitdem hat sie 14 Jahre lang während der Jugendweihe-Feiern zu den jungen Leuten gesprochen und versucht, ihnen positive Werte zu vermitteln. Dazu zählt sie gegenseitige Achtung, das Ziel, ein lebenswertes Leben zu führen und sich nicht Drogen hinzugeben. Gleichzeitig warnte sie vor einer Hinwendung zu Rechtsradikalen. Die Erwachsenen hat sie ermahnt, es nicht billigend in Kauf zu nehmen, dass sich junge Leute in den Tod trinken. Die inzwischen 56-Jährige sprach auch zu den Jugendweihen ihrer beiden Töchter. Das sei schon ein eigenartiges Gefühl gewesen, meinte sie rückblickend.

" Sollte ich als Ersatz gebraucht werden, wenn ein Redner ausfällt, will ich gern einspringen ", versprach sie dem Jugendweiheverein nach ihrer letzten Festrede. Ein Abschied von anderen Aufgaben ist dieser Verzicht nicht. Im Vollzeitjob Referentin an der Hochschule Harz, füllt Doris Wüstenhagen weiter verschiedene Ehrenämter aus. So gehört sie dem Wernigeröder Stadtrat seit 1998 an, ist im SPD-Ortsverein stellvertretende Vorsitzende sowie Vorstandsmitglied der Kleingartensparte " Harzblick " und dort als Schatzmeisterin für die Finanzen zuständig.