Die Gemeinnützige Gesellschaft für Sozialeinrichtungen Wernigerode muss durch die jüngsten Tarifabschlüsse rund 1, 8 Millionen Euro mehr aufbringen. Damit die städtische Tochter dadurch nicht ins Schlingern gerät, haben Aufsichtsrat und Geschäftsführung einen Vorschlag unterbreitet. Dieser wurde von den Beschäftigten akzeptiert.

Wernigerode. Einen Ertrag in Höhe von rund 1, 5 Millionen Euro hat die Gemeinnützige Gesellschaft für Sozialeinrichtungen Wernigerode ( GSW ) 2007 erwirtschaftet. Im vergangenen Jahr waren es etwa 138 000 Euro, bilanzierte Regina Wetzstein. Die Geschäftsführerin : " Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. "

Der Hauptgrund für diesen Einbruch liegt in der jüngsten zweistufigen Tariferhöhung. Deshalb, so die GSW-Chefín, " gilt es, 1, 8 Millionen Euro mehr zu erwirtschaften. " Dabei wird es immer schwieriger, die Erträge so zu erarbeiten, dass das Unternehmen verlustfrei bleibt. Zumal die Lohnerhöhungen von den Kassen seit 2007 nicht mehr durch die Kostensätze gedeckt werden. Regina Wetzstein : " Das müssten alle Bewohner tragen. Aber das nützt nichts, wenn wir Wahnsinnspreise haben, und keiner kann sie bezahlen. "

Gemeinsam mit dem Aufsichtsrat der 100-prozentig städtischen Tochter hat die Geschäftsleitung deshalb nach einem Ausweg gesucht. Und ihn gefunden. Regina Wetzstein : " Die Lohnzahlungen bleiben erhalten. Das Weihnachtsgeld wird erfolgsabhängig gezahlt. " Das bedeutet : Sollte die GSW 2009 einen positiven Jahresabschluss von 130 000 Euro und mehr erwirtschaften, dann wird das eigentlich im November fällige 13. " Monatsgehalt " in Höhe von rund 67 Prozent im Juni 2010 zum Teil oder sogar komplett ausgeschüttet.

In fünf Betriebsversammlungen wurde einem Großteil der rund 400 Beschäftigten das einem Haustarifvertrag gleichzusetzende Modell erläutert. Die Reaktionen waren fast durchweg positiv. Regina Wetzstein : " Ich bin jetzt 26 Jahre im Unternehmen tätig. Die Leute glauben einem. " Viele hätten sich anschließend bei ihr für die Offenheit bedankt und Verständnis gezeigt.

" Ich war berührt, dass die Kollegen so zur GSW stehen ", beschrieb Matthias Liesegang seine Gefühlslage. Der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat sprach von einem sehr regen Interesse der Beschäftigten an der Situation.

Andreas Heinrich hatte bereits während der Betriebsversammlungen das Gespräch mit der Harzer Volksstimme gesucht. Der Aufsichtsratschef : " Die Grundstimmung war, das Wichtigste ist der Erhalt unserer Arbeitsplätze. " Und : " Es gab eine große Dankbarkeit, dass die Grundvergütung bleibt. " Die derzeitige Lage ist in der Tat sehr ernst zu nehmen, bekräftigte Heinrich. Seine Einschätzung : " Wir gelangen jetzt nach der Prognose in die roten Zahlen. Das ist noch nicht existenzbedrohend, für die Zukunft aber doch. "

Regina Wetzstein hat inzwischen dem Arbeitgeberverband geschrieben, dass die GSW die Gewerkschaft gern zu einem Sondierungsgespräch einladen möchte. Eigenem Bekunden nach ist sie " guter Hoffnung, dass wir das so hinbekommen ". 16 Jahre besteht das Unternehmen mit seinen derzeit 550 Heim- und 150 ambulanten Pflegeplätzen heute.

Die Geschäftsführerin : " Ich weiß zwar nicht, was die Zukunft bringt. " Doch dennoch : " Im Nachhinein können wir feststellen, dass unser Konzept richtig ist, denn wir sind gut aufgestellt. " Rund 33 Millionen Euro hat die GSW seit ihrer Gründung investiert. Regina Wetzstein : " Wir haben uns dabei immer selbst getragen. So sollte es auch bleiben. "