Die beiden Glocken der Stiftskirche St. Sylvestri wurden gestern Vormittag aus ihrem Turm gehoben und zur Erde gelassen. In den kommenden Monaten werden sie für rund 67 000 Euro rekonstruiert. Zum Erntedankfest am 4. Oktober sollen sie wieder erklingen. Dann wird aus dem Duett ein Dreiklang.

Wernigerode. " Es ging schneller als gedacht ", zeigte sich Frieder Anacker mit der geglückten Bergung der beiden Glocken sichtlich zufrieden. Mitarbeiter einer Fachf rma aus Kölleda hatten die bronzenen Riesen mit einem Spezialkran eines Wernigeröder Transportunternehmens behutsam von ihrem Platz im Turm der Stiftskirche St. Sylvestri aus gut 20 Metern Höhe hinunter zur Erde schweben lassen.

Für deren Pfarrer und die 1950 Mitglieder seiner Gemeinde St. Sylvestri und Liebfrauen bedeutete die Aktion ein wichtiges Ereignis. Vor zwei Jahren war an der größeren, 1, 7 Kilogramm schweren Glocke, oben ein Riss entdeckt worden. Sie durfte deshalb nicht mehr läuten ( wir berichteten ). Die Ursache für den Schaden an dem 1297 gegossenen Riesen mit einem Durchmesser von 1, 38 Meter war eine fehlerhafte Aufhängung. Anacker : " Es bestand die Gefahr, dass sie abreißt. "

Da die Kosten für Ausbau und Transport sehr hoch sind, wurde gleich ihre kleinere, 1, 1 Kilogramm schwere Schwester ( 1, 2 Meter Durchmesser ), aus dem Jahre 1500 mit auf die Reise in das Glockenschweißwerk Nördlingen geschickt. Dort wird sie nach einem nur in diesem Betrieb angewandten und deshalb geheimen Verfahren repariert. Etwa 67 000 Euro kostet die Sanierung des historischen Geläuts, erläuterte der Geistliche. 47 481 Euro an Spenden sind bisher gesammelt worden.

Das eigentliche Problem gestern bestand darin, die große Glocke aus dem Turm zu hieven. Seit Mittwoch hatten die Experten dafür eigens einen Wagen gebaut, berichtete der Pfarrer. Zudem mussten einige große Steine links und rechts der Öffnung entfernt werden.

Zum Erntedank am 4. Oktober soll die Heimkehr der einen Viertelton tiefer und einen Viertelton höher als f klingenden Kleinode gefeiert werden können. Deshalb wurde das eigentlich für Ende August geplante Gemeindefest verlegt. Die Gäste dort werden sogar einen Dreiklang genießen dürfen. Der Auftrag für eine dritte, neue Glocke mit dem Ton as wurde bereits erteilt. Sie kostet laut Anacker inklusive Inbetriebnahme etwa 22 000 Euro.

Dass gestern etwas hätte schiefgehen können, diese Sorge hatte der Pfarrer übrigens in keinem Moment. Frieder Anacker : " Das war nicht meine erste Glocke. In Reddeber hatte ich das auch schon mal. "