Der Wahlabend in Wernigerode und seinen vier Ortsteilen zog sich gestern in die Länge. Zumindest für Europa wurde der Trend bald gewiss. Die Kandidaten für den neuen Stadtrat mussten hingegen lange auf erste Zahlen warten.

Wernigerode. Punkt 18.03 Uhr betritt Klaus-J ürgen Winkelmann das Foyer des Rathaussaals, wo am Sonntagabend die Ergebnisse der Stadtratswahl öffentlich präsentiert werden. " Zeitiges Erscheinen sichert gute Plätze ", so der CDU-Mann. Bis die ersten Zahlen an die Wand projiziert werden, vergehen noch gute 50 Minuten. 30 405 Wernigeröder, Silstedter, Benzingeröder, Minslebener und Schierker hatten die Chance, den neuen Stadtrat der bunten Stadt zu bestimmen. Die Wahlbeteiligung, das hatte sich schon im Laufe des Tages gezeigt, blieb weit hinter den Erwartungen zurück.

Um 18.53 Uhr Uhr die Feuersirene. Fehlalarm im Hagebaumarkt. " Mit dem Alarm kommen die ersten Ergebnisse rein ", sagt Jürgen Leich. Der EDV-Experte ist für den erkrankten Andreas Meling eingesprungen und leitet die Präsentation. Die ersten Resultate für die Europawahl kommen aus Oberhasserode und Minsleben : Die CDU liegt vorn, noch knapp gefolgt von der SPD. Die Stimmung im Foyer noch ruhig. Nach 13 ausgezählten Wahllokalen liegt die CDU schon mit deutlichem Vorsprung an der Spitze. Die Wahlbeteiligung mit 33, 4 Prozent erschreckend niedrig. Von der Stadtratswahl noch keine Zahlen. Mit dem Ausbleiben der Ergebnisse leert sich gegen 19. 30 Uhr auch das Foyer. " Schade. Das war letztes Jahr bei der Oberbürgermeisterwahl ganz anders ", sagt Jürgen Leich. Dann gegen 19. 41 die ersten Resultate der Kommunalwahl aus dem Wahlbezirk Altstadt. Rainer Schulze ( SPD ) liegt deutlich vorn. SPD und CDU liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Bei den Wahlpartys der großen Parteien schwankt die Stimmung derweil zwischen Optimismus und Ungewissheit. Bei der CDU sind es gegen 19. 45 Uhr nur einige wenige, die in der " Post " versammelt sind. Angela Gorr freut sich über das Abschneiden bei der Europawahl. Zum Ausgang der Stadtratswahl gesteht die Vorsitzende der Wernigeröder Christdemokraten ein : " Ich habe keine Ahnung. " Angela Gorr : " Ich persönlich hätte gern 13 Sitze plus. "

Gut 20 Linke warten im " Green Monkey " auf Neuigkeiten. Thomas Schönfelder : " Was jetzt schon Fakt ist, wir haben einen Sitz mehr im Europaparlament als vorher. " Der Stadtverbandschef hofft, dieses Resultat auch auf die kommunale Ebene übertragen zu können. Schönfelder : " Wenn wir 20 + 1 Prozent erreichen, sind wir sehr zufrieden. "

Im " Alten Amtshaus " zeigt sich Ludwig Hoffmann enttäuscht über die geringe Beteiligung. Nur zweiter bei der Europawahl geworden zu sein, sei ebenfalls nicht ganz zufriedenstellend. Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins : " Ich hoffe, dass wir stärkste Partei werden. Warten wir mal ab ... "

Rückblick : Bei den Stadtratswahlen vor fünf Jahren waren 29 871 Bürger wahlberechtigt. 12 139 Bürger nahmen am 13. Juni 2004 ihr Wahlrecht wahr ( 40, 6 Prozent Wahlbeteiligung ). Die meisten Stimmen erhielt damals Rainer Schulze ( SPD, 2544 ), gefolgt von Dieter Kabelitz ( Linke, 2195 ) und Oliver Franke ( CDU, 1882 ).