Dreister Diebstahl in Hasserode. Unbekannte haben in der Nacht zu gestern sämtliche Zwergseidenhühner vom Grundstück Friedrichstraße 13 gestohlen. Die seltene Rasse war der ganze Stolz von Isabell-Louis Kaatzsch ( 6 ) und mehrfach preisgekrönt. Nicht der einzige Fall : Auch auf dem Friedhof trieben Langf nger einmal mehr ihr Unwesen.

Wernigerode. " Ich dachte, mich hat der Blitz getroffen ", beschreibt Monika Haase-Kaatzsch gestern Vormittag ihre Gefühlslage. Am Morgen kurz nach 7 Uhr hatte Ehegatte Eberhardt den dreisten Diebstahl entdeckt. Durch Unbekannte waren über Nacht sämtliche Zwergseidenhühner aus ihrem verschlossenen Zwinger neben dem Wohnhaus in der Friedrichstraße 13 gestohlen worden. " Es muss nachts gegen 1 Uhr gewesen sein ", ist sich Eberhardt Kaatzsch sicher. Um diese Zeit hatte " Connor ", die Deutsche Dogge der Familie, " plötzlich verrückt gespielt ".

Ein Fuchs kann es nicht gewesen sein, berichtet der erfahrene Züchter. Der hätte nämlich ein Blutbad angerichtet und dann lediglich ein Huhn davongeschleift. Und auch kein Marder, denn von diesem wären alle Tiere totgebissen worden.

Bleiben also nur zweibeinige Diebe. Drei Hähne und zwölf Hennen im Wert von 25 bis 50 Euro haben die Unbekannten mitgenommen. Die ganze Zucht ist damit weg, beklagt Monika Haase-Kaatzsch. Schlimmer noch : Die sehr seltenen weißen und braunen Zwergseidenhühner gehören eigentlich ihrer Enkelin Isabell-Louis Kaatzsch. Das von allen nur liebevoll " Bärbel " genannte Mädchen hat damit bereits etliche Preise eingeheimst. Und das gerade einmal mit sechs Jahren, so die Großeltern sichtlich stolz. Sie ist die jüngste Aktive im Rassegef ü- gelzuchtverein Reddeber.

Ein Verlust, der allerdings noch schwerer wiegt. Eberhardt Kaatzsch : " Wir hatten dem Wildpark Christianental im vergangenen Jahr drei Hähne übergeben. " Demnächst sollten ihnen einige Hennen folgen. Sie befanden sich nur noch bei den bereits in vierter Generation engagierten Züchtern, weil sie nicht gänzlich ausgewachsen waren. Auch für den vom Diakonie-Krankenhaus Elbingerode betriebenen Bauernhof Gut Heiligenstock bei Rübeland wollten die Wernigeröder erneut einige Tiere stiften.

" Die isst doch keiner ", sagt Monika Haase-Kaatzsch. Denn die Tiere haben dunkelblaues Fleisch. Eine weitere Besonderheit ist bei den männlichen Hühnern der maulbeerförmige Kamm. Zudem haben sie fünf Zehen und sind wegen ihrer mit einem weichen Schaft ausgestatteten Federn f ugunfähig.

Eberhardt Kaatzsch versucht jetzt, wenigstens die im Haus gelagerten Eier mit Hilfe einer Brutmaschine zu retten. Im Übrigen hegt die Familie die vage Hoffnung, jemand könnte am Tatort etwas gesehen haben oder wissen, wo sich die Zwergseidenhühner inzwischen befnden. Für Hinweise, die zur Heimkehr der gef ederten Prachtexemplare führen, versprechen die Kaatzschs eine Belohnung.

Der Tierdiebstahl ist unterdessen nicht der einzige Vorfall, der die Gemüter in Hasserode bewegt.

Vera Duve kann es kaum fassen. Wer kann nur so pietätlos sein ? Ausgerechnet hier, an diesem bedächtigen, stillen Ort der Trauer. Wie so oft, wollte die Wernigeröderin auch an diesem Tag zum Friedhof in Hasserode, um ein Grab zu pf egen. Doch rücksichtslose Langf nger hatten den Blumenschmuck gestohlen. Für Vera Duve eine unvorstellbar rücksichtslose Tat. " Wer macht denn so etwas ?", fragt sie mit zittriger Stimme. Doch es war nicht das erste Mal, dass dort Blumen von Gräbern entwendet wurden. " Das ist im vergangenen Jahr schon mal passiert. " Der alten Dame jedenfalls fehlt jegliches Verständnis dafür, dass Menschen ausgerechnet auf letzten Ruhestätten räubern.