Schierke. Die Plätze im Saal des Hotels " Brockenscheideck " in Schierke reichten kaum aus. Es mussten noch mehrere Stühle herangeschafft werden, als Ingrid Hintze kürzlich die maßgeblich von ihr erarbeitete Chronik der Brockengemeinde vorstellte. Für die 69-jährige Frau, die in dem Ort unter dem höchsten Harzgipfel geboren wurde und von 1958 bis 1987 als Lehrerin arbeitete, erfüllte sich damit ein langjähriger Traum. Bis Ende des vergangenen Jahres war sie als ehrenamtliche Ortschronistin sowie Mitarbeiterin des Brockenmuseums tätig.

" Mit dem Sammeln interessanter Zeitungsausschnitte habe ich schon als Kind begonnen ", erinnerte sie sich während der Vorstellung ihres reich bebilderten Buches. Mit der konkreten Erarbeitung der Chronik, die nach Einschätzung zahlreicher Gäste, eine umfassende Darstellung der Entwicklung der Gemeinde gibt, habe sie 1999 begonnen.

Sie schilderte verschiedene, zum Teil auch humorvolle Episoden, die der Fertigstellung des umfangreichen Buches vorausgingen. So habe sie sich beim Finanzamt als Kleinunternehmerin registrieren lassen und den zu erwarteten Gewinn darstellen müssen. " Wenn alle 300 Exemplare verkauft sind, wird sich dieser auf 885 Euro belaufen ", sagte sie.

Und auch das sei nur möglich, weil sich im Ort und darüber hinaus viele Sponsoren gefunden hätten, die ihre Arbeit förderten. Sie dankte für Spenden von fünf bis 1850 Euro, würdigte die Hilfe vieler Einwohner, die eigenes Archivmaterial überlassen und den Abdruck erlaubt hätten. Sie sprach von der Arbeit an altersschwachen Computern und kaputt gegangenen Druckern, ihre sorgfältige Abwägung verschiedener Vorschläge für das Titelbild und das Engagement der Kurverwaltung und anderer Einrichtungen, die den Vertrieb übernehmen wollen.

Die kauffreudigen Schierker lud sie in ihre Wohnung ein, um mit ihnen bei einer Tasse Kaffee über das Buch, die Entwicklung von Schierke und auch ihre Freude zu sprechen, die aktuelle Chronik nun fertiggestellt zu haben.

Bisher lag, wie Schierker berichteten, nur eine vom längst verstorbenen Wernigeröder Heimatforscher und Publizisten Dr. Georg von Gynz-Rekowski verfasste Chronik vor, an die die Autorin anknüpfen konnte. Sie stellt auf 352 Seiten ihren Heimatort in verschiedenen Abschnitten vor, die unterschiedliche Themen befassen, beispielsweise Wald, Kirche, Berufe und Gastronomie. Jüngere werden über das einstige Freibad des Ortes staunen. Von dem erzählten Gäste des Abends, dass dort das Wasser meist sehr kalt gewesen sei.

Brockenwirt Hans Steinhoff würdigte die Fleißarbeit der Autorin und sprach von Mut, sich solcher Aufgabe anzunehmen. Dieter Geyer, Seniorchef des einstigen örtlichen Spirituosenherstellers, würdigte die akribische Arbeit der Lehrerin. Kurdirektor Rüdiger Ganske dankte für das Buch und würdigte die enge Zusammenarbeit.

Seit 2004 hatte die Autorin, wie sie selbst sagte, in 18 Veranstaltungen die Schierker Bürger in ihre Arbeit einbezogen und um eine Beteiligung an dem Buch geworben. Am Abend überreichte Ingrid Hintze den engagiertesten Sponsoren als Dank je ein Freiexemplar, weitere Bücher wurden gern gekauft.

Diese Chronik sei ein Stück Heimatgeschichte. Die Autorin erhielt dafür während ihrer Präsentation viel Dank. " Was du geleistet hast, ist unbezahlbar ", sagte beispielsweise Monika Steg.