Glück im Unglück. Bei der Entgleisung der Lokomotive am Sonnabend auf der Strecke der Harzer Schmalspurbahn wurde niemand verletzt ( wir berichteten ). Als ein dummer Jungenstreich wird die Tat nicht behandelt. Die Polizei ermittelt nach dem Verursacher, ein Experte mahnt : " Das war eine knallharte Straftat. "

Wernigerode. Gerade jetzt in der Sommerzeit mehren sich solche Vorkommnisse. Steine werden auf Gleise gelegt, mal sehen, was passiert ? " Dabei handelt es sich wahrlich nicht um einen dummen Jungenstreich, sondern um eine knallharte Straftat ", betont Ingo Kühl. Der Polizeihauptmeister vom Bundespolizeiamt Halle ist für den Bereich Harz zuständig und weiß, dass die Tat vom Sonnabend auf der Strecke der Harzer Schmalspurbahnen ( HSB ) mit einer Gefängnisstrafe bis zu zehn Jahren geahndet werden kann.

Was war passiert ? Der Zug 8903 fuhr pünktlich um 11. 55 Uhr vom HSB-Bahnhof in Wernigerode ab. Ziel war die Eisfelder Talmühle mit Ankunft um 13. 48 Uhr. Auf dem sogenannten Kreuzungsbahnhof Drängetal dann ein ungewöhliches Rucken, der Zug stoppte abrupt, Räder der Dampflokomotive sprangen aus dem Gleis. " Zum Glück nur die der ersten von den sieben Laufachsen ", sagt Heide Baumgärtner gegenüber Harzer Volksstimme den Unfallhergang. Die Ursache sei vom Lokpersonal schnell ausgemacht worden. " Kein technischer Defekt. Große Schottersteine wurden in die Weiche gelegt, so dass diese klemmte und zum Entgleisen führte ", erläutert die Pressesprecherin der HSB. Auch sie habe wie der Bundespolizeibeamte für solch einen gefährlichen Eingriff in den Schienenverkehr kein Verständnis und hoffe, dass der oder die Täter ermittelt werden.

" Zum Glück " sei niemand verletzt worden, dennoch habe es für die rund 250 Fahrgäste Unannehmlichkeiten gegeben. Heide Baumgärtner : " Viele haben ihren geplante Ausf ug abbrechen müssen. Obwohl sie anstandslos ihr Fahrgeld zurückbekamen, waren einige sehr traurig. "

Nach dem Unfall gegen 12. 38 Uhr hatten Lok- und Zugbegleitungspersonal sofort über Funk die Einsatzzentrale der HSB informiert und die für den Ernstfall vorgesehene " Meldekette " ausgelöst. " Sie lief reibungslos, aber kostete eben auch Zeit, da der Unfall im schwer zugänglichen Waldgelände passierte ", so die Pressesprecherin. In das Drängetal zum Unglücksort wurden eine Diesellokomotive sowie ein Lkw mit Hebekissen und anderem Spezialwerkzeug geschickt. Gleichzeitig orderte die HSB bei den Harzer Verkehrsbetrieben Schienenersatzbusse, die die wartenden Fahrgäste in Drei Annen Hohne und auf anderen Bahnhöfen aufnahmen. Während die Dampflok wieder auf die Gleise gehoben wurde, fuhr der Unglückszug samt Diesellok nach Wernigerode zurück. " Natürlich waren viele verärgert, doch insgesamt haben sich die Mitreisenden sehr vernünftig und besonnen verhalten ", schätzt Heide Baumgärtner ein.

Nach einer Kontrollfahrt konnte die Streckensperrung gegen 15 Uhr wieder aufgehoben werden.