Mit Musik und Lesung wurde gestern eine neue Ausstellung im Sorger " Landhaus Weichelt " eröffnet. Edith Tar und Radjo Monk versetzen die Betrachter durch authentische Fotos und Tagebuchnotizen ins Wendejahr 1989. Die Ausstellung ist bis 4. Oktober täglich außer donnerstags geöffnet.

Sorge. " Danke, dass Sie damals so mutig waren, und Danke, dass sie uns diese Dokumente bewahren ", sagte Landrat Michael Ermrich gestern im Kutscherhaus am " Landhaus Weichelt ". Seine Worte galten Edith Tar und Radjo Monk, zwei Leipziger Künstlern, die im Verein mit der Gesellschaft für Internationale Kontakte ihre gesammelten Rückblicke an die bewegten Wendemonate vom Oktober 1989 bis zum Oktober 1990 nun in Sorge der Öffentlichkeit vorstellen. Radjo Monk anhand originaler Tagebucheinträge jenes Jahres, die inzwischen unter dem Titel " Blende ‘ 89 " auch als Buch vorliegen, Edith Tar anhand von Fotos der Ereignisse in Leipzig. Texte wie Fotos lassen die rastlose Atmosphäre jener Monate zwischen Angst, Hoffnung und Aktion wieder aufleben, wie mehrere der ersten gut 30 Gäste betonten. Erinnerungen an eigene Erlebnisse hier im Harz in jener Zeit wurden wach.

Genau das sei im 20. Jahr der Wende sehr wichtig, betonte Ermrich. Er selber sei bereits zuhause vom Nachwuchs gefragt worden, was denn die Wende sei, von der die älteren immerzu reden. Viele junge Leute wüssten nicht mehr, wie das in der DDR und 1989 war und was im Vergleich dazu bis heute alles geschaffen worden sei, so der Landrat weiter. Mit der Rückbesinnung könne man auch die heutigen Probleme besser angehen. " Die gerade hier in Sorge so nahe ehemalige Grenze war ja gegen das eigene Volk gerichtet ", erinnerte Emrich. Anlagen wie das Grenzmuseum seien wichtig, würden jene Zeit aber auch verniedlichen, weil sie die beklemmende Atmosphäre von damals nicht rüberbringe. Deshalb sei ein Eintreten gegen DDR-Nostalgie wichtig, seien Ausstellungen wie " Blende ‘ 89 - Wir sind das Volk " unabdingbar. Michael Ermrich dankte Dr. Friedrich Vogel und Susanne Vogel aus München für ihr erneutes Engagement, um in ihrem " Landhaus Weichelt " in Sorge wichtige Einblicke ins Zeitgeschehen zu geben und ein kulturelles Highlight zu schaffen. An der Ausstellungseröffnung nahmen die Repräsentanten der umliegenden Harzorte von Elbingerode bis Benneckenstein und Elend teil. Sie wurden außer von Astritt Lüders von der Gesellschaft für Internationale Kontakte auch von Sorges Ortschefin Inge Winkel herzlich begrüßt. Das Pfarrerehepaar Kirsten und Ulrich Stabe ( Benneckenstein ) sorgte gemeinsam mit Claus-Michael Brandt ( München ) als Hausmusiktrio für den passenden Ton, und Manfred Heyder vom Kultur- und Heimatverein Benneckenstein lobte die nunmehr sechste Ausstellung von Susanne und Friedrich Vogel als eben eines der positiven Ergebnisse nach der Wende.

" Das Grenzmuseum verniedlicht auch ... "

Die Ausstellung ergänzt nun das nahe gelegene Grenzmuseum Sorge und den Ring der Erinnerung aus der Kunstwerkreihe " Art in nature ". Die neue Schau soll bis 4. Oktober Rück- und Einblicke sowie Denkanstöße ermöglichen. Geöffnet ist täglich außer donnerstags von 10 bis 16 Uhr oder nach AnmeldungüberTelefon ( 03 94 57 ) -9 ‚ 81 02 oder -4 07 05.