Heute hat er seinen letzten Arbeitstag als Superintendent im Kirchenkreis Halberstadt – Christoph Hackbeil. Zehn Jahre lang hat er hier gewirkt und gelebt. Ab morgen ist er Regionalbischof des Propstsprengels Stendal-Magdeburg. Welche Spuren er in der Harz-Region hinterlässt, dazu sprach Cordula Bischoff mit ihm.

Halberstadt. Christoph Hackbeil ist kein Mann großer Worte – wenn es um seine Person geht. Bescheidenheit und Freundlichkeit sind zwei seiner Eigenschaften, sagen die, die mit ihm in den vergangenen zehn Jahren zu tun hatten. Auch wenn man ihn fragt, welche Spuren er in Halberstadt und Umgebung hinterlässt, sprudelt es nicht aus ihm heraus, sondern er überlegt. " Als Superintendent erlebt man Höhen und Tiefen ", so Christoph Hackbeil. " Höhepunkte waren zweifellos, neben der Eröffnung des Domschatzes, das ökumenische Projekt auf der Landesgartenschau in Wernigerode und das Erntedankfest in Schauen, das die Kirchengemeinde erstmals gemeinsam mit dem ganzen Dorf gefeiert hat. Auch die Eröffnung unseres Gemeindezentrums in Abbenrode gehört zu meinen besten Erinnerungen ", blickt Hackbeil zurück.

" Der Großteil meines Dienstes ist es ja, kirchliche Gemeinden zu begleiten, ohne, dass es groß auffällt. Beispielsweise war ich in der Gemeinde Langenstein ", erinnert er sich und daran, dass es dort Probleme gab. " Da geh ‘ ich jetzt vorübergehend rein !", sagte er damals. Das Vorübergehende dauerte vier Jahre. " In dieser Zeit haben wir den Glockenturm hergerichtet und zu der Gedenkstätte Zwieberge ein sehr gutes Verhältnis aufgebaut, wir haben dort einen Konfirmanden-Gottesdienst

veranstaltet. " Dann hält Christoph Hackbeil inne und fasst seine Gedanken zusammen : " Es sind viele Perlen, die ich auf eine Schnur gefädelt habe, und es ist eine Schnur der guten Erinnerungen geworden. "

" Habe viele Perlen auf eine Schnur der guten Erinnerungen gefädelt "

Zu den von ihm erwähnten Tiefen seiner Amtszeit sagt er : " Das war der 22. Februar 2006. Das Pfarrhaus in Großalsleben brannte ab, und unser Pfarrer kam darin ums Leben. " Nach diesem Satz holt Christoph Hackbeil tief Luft und schweigt. Man ahnt die Bilder, die vor seinem geistigen Auge gerade ablaufen.

Dann nimmt er den Faden beziehungsweise die Perlenschnur der Erinnerungen wieder auf. " Wenn es um die Spuren geht, die ich in der Harzregion hinterlassen habe, dann wünsche ich mir, dass die Halberstädter wissen, was sie an Dom und Domschatz haben. Dass sie und die Kirchengemeinde darauf und auf ihre Gäste achten. Dass das Gespür da ist, dass Kirche für Toleranz steht und gegen Rechtsextremismus ", sagt Hackbeil jetzt ganz entschieden. " Mir liegt sehr daran, dass dem Kirchenkreis sehr bewusst ist, welchen Schatz, auch an Kirchenmusik, er besitzt. " Und man sieht ihm die Freude an, dass " diese Musik auch auf dem platten Land, beispielsweise in Schwanebeck und Hausneindorf " so sehr mit Leben erfüllt wird.

Christoph Hackbeil hat in den zehn Jahren in Halberstadt viel bewegt und viele Menschen richtig " gut kennen- und verstehen gelernt. Ich lasse viele Menschen zurück, die mir lieb geworden sind. Auch der enge Kontakt zu den Dörfern wird mir fehlen ".

Dann geht sein Blick nach vorn. " Ich trete jetzt ein ganz anderes Amt an ", sagt er. " Da habe ich zum Glück weniger mit Bauarbeiten und Geld zu tun, sondern vielmehr mit Seelsorge. Außerdem kann ich wieder intensiver theologisch-wissenschaftlich arbeiten. Aber ich bin – trotz der Freude auf die Aufgabe – schon traurig, Halberstadt jetzt zu verlassen. "

Ab 1. Juli ist Christoph Hackbeil neuer Regionalbischof für den Propstsprengel Stendal-Magdeburg. Das heißt, er ist Seelsorger für die Kirchengemeinden Salzwedel, Stendal, Elbe-Fläming, Magdeburg, Haldensleben, Wolmirstedt – und Halberstadt. Ein wenig bleibt er seiner Gemeinde im Vorharz eben doch erhalten. Und damit auch der Stadt Halberstadt.