Die Turnhalle des Wernigeröder Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums soll nun doch saniert werden. Während sich Eltern und Schüler mit ihrer Demo erfolgreich wähnen, beteuert das Landratsamt : Die Sportanlage wäre auch ohne solche Proteste erneuert worden. Nun hat der Kreistag Ende Juni das letzte Wort.

Wernigerode. 420 000 Euro wird der Harzer Kreistag bewilligen, damit der Sportunterricht in der Turnhalle vom Gerhart-Hauptmann-Gymnasium diese Bezeichnung wieder zu Recht tragen kann. Es gilt als unwahrscheinlich, dass die Abgeordneten am 24. Juni aus dem fast vier Millionen Euro schweren Konjunkturpaket ausgerechnet jene 420 000 Euro herausstreichen.

Schüler, Lehrer und vor allem Eltern sehen sich bestätigt. Ihr Protest hatte Erfolg. Fast 500 Menschen haben am 11. Mai in der Innenstadt Losungen wie " Sport ist Mord " hochgehalten, um auf eine seit vielen Jahren marode Turnhalle aufmerksam zu machen ( wir berichteten ).

Und plötzlich taucht dieses Projekt in einer Liste der Kreisverwalter auf. " Auch ohne diese Demo hätten wir genauso verfahren ", beteuerte Margrit Kaufmann. Die Chef n des Kreis-Schulamtes war auf der Gesamtkonferenz bei " Hauptmanns " in der komfortablen Lage, den quasi noch druckfrischen Vorschlag an den Kreistag erstmals publik zu machen. Der Volksstimme gegenüber wiederholte sie, die Turnhalle habe nie auf einer Prioritätenliste gestanden und sei dann genauso wenig davon wieder gestrichen worden.

Ebenso wie CDU-Landrat Michael Ermrich berichtete auch die Amtsleiterin von den internen Überlegungen, sich um ein gemeinsames Bauprojekt mit dem Kultusministerium zu beteiligen. Schließlich nutzten auch die Landes-Musikgymnasiasten diese Sportanlage an Wernigerodes Johann-Sebastian-Bach-Straße – so die Überlegungen im Landratsamt. Allerdings stieß diese Idee auf keine Gegenliebe. Das hatte Staatssekretär Winfried Willems noch vor einer Woche erneut deutlich gemacht. Schließlich beteilige sich das Land jährlich mit rund 10 000 Euro an den Hallen-Betriebskosten. Immerhin wird in Magdeburg nun geprüft, ob man sich mit einem Investitionskostenzuschuss an der Sanierung beteiligen könne. Aller Voraussicht nach wird die Bach-Turnhalle saniert. Bleiben die Fragen : Wozu diese provinzielle Polit-Posse ? Musste es wirklich sein, dass böse Elternbriefe mit einem bislang einmaligen Ultimatum geschrieben werden, dass eine Schüler-Lehrer-Eltern-Demonstration durch Wernigerode zieht und es obendrein eine Landrats-Reaktion gibt, die bislang ohne Beispiel ist ?

Einmaliger Zwischenfall im Kreisausschuss

In der kleinen Runde des Kreisausschusses habe sich Michael Ermrich gebärdet wie ihn politische Wegbegleiter in 19 Jahren noch nicht erlebt hätten. Ein Teilnehmer mutmaßte : " Entweder ist er tief verletzt oder doch sehr ratlos. " Dem Schulelternrat-Chef Armin Willingmann habe er vorgehalten, er würde Wahlkampf betreiben. Die Abgeordneten Eberhard Schröder ( Linke ) und Peter Lehmann ( Bündnisgrüne ) seien dafür gemaßregelt worden, dass sie sich an der Demonstration beteiligt hätten, obwohl sie die Zusammenhänge besser verstehen müssten. Auf Nachfrage bestätigte Peter Lehmann diesen Zwischenfall folgendermaßen : " Ich habe dem Landrat gesagt, dass ich mich auch künftig ohne seine Genehmigung an Demonstrationen beteiligen werde. "

Unterdessen hat die Schulgesamtkonferenz erneut beschlossen, noch in diesem Jahr müsse damit begonnen werden, die Sportanlagen des Hauptmann-Gymnasiums zu sanieren. Gegenüber den Verantwortlichen in der Kreis- und Landesverwaltung soll die Dringlichkeit und Notwendigkeit dieses Vorhabens angemahnt werden. Dazu zähle selbstverständlich auch die Gestaltung des Sportplatzes.

Dieser Beschluss wurde einstimmig gefasst. Also mit der Stimme von Kreis-Schulamtsleiterin Margrit Kaufmann.