Wernigerode. MD Christian Fitzner und das Philharmonische Kammerorchester Wernigerode überraschten zum Abschluss der diesjährigen " Stunde der Klassik " im Hauptmann-Gymnasium mit seltener gespielter Romantik. War schon Carl Maria von Webers Ouvertüre zum Schauspiel " Preziosa " ein wahres Juwel voll spanischen Kolorits mit Bolero-Rhythmen und Zigeunerklängen, so bewies sich sein Konzert für Fagott und Orchester F-Dur als ein Glanzpunkt des Genres. Es steht und fällt mit dem Solisten und ist geradezu ein Paradestück fürs Vorspiel.

Mit dem ausgezeichneten Solofagottisten Thomas Toppel kam das Instrument klangschön, virtuos und seelenvoll zur Geltung. Marschartig-vergnügt ist der erste Satz, meditativ-gesanglich mit weiten Spannungsbögen bis zur abschließenden Kadenz der zweite Adagio-Satz, wobei das Zusammenspiel mit den Hörnern und Streichern besonders innig gelang. Den Höhepunkt setzte Toppel mit dem abschließenden Rondo : übermütig voller Triller, Staccatoläufe und großer Intervallsprünge. Christian Fitzner breitete dem Fagott mit dem glänzend aufspielenden Orchester eine anmutige Spielwiese aus.

Zusammenspiel

von Hörner und

Streichern

Von Georges Bizet ( 1838-1875 ) dann die Sinfonie Nr. 1 C-Dur. Er komponierte sie 1855 – und ließ sie in der Schublade liegen. Erst 1935 wurde sie unter Felix Weingartner in Basel uraufgeführt und von Georges Balanchine 1947 als Ballett choreografert. Vor allem der zweite und dritte Satz sind wunderschön. Das Adagio setzt getragen ein, steigert sich intensiv und wird in einer Fuge aufblühend verarbeitet. Die Oboe spielt das Hauptthema, ein klangschönes Beispiel der Tongebung von Tomoko Udagawa. Wie ein Wiesenstück aus Gräsern und Grillen, wie aus Süße und Traurigkeit gemacht. Ein f irrendes Sommergemälde, impressionistisch getönt. Es erinnert schon an das Trio der Arlésienne-Suite. Das Allegro vivace ist lebhaft und ausgelassen ; ein nobles Thema der Streicher und die volksliedhaften Celli bezaubern, bevor das voller Lebenslust sprühende Finale mit Meisterschaft und Tempo einen nicht enden wollenden Kehraus zelebriert. Die einzige Bizet-Sinfonie wünschte man sich öfter im Konzertplan, sie ist in Fitzners Interpretation einfach bezaubernd und hat hinreißend südlichen Charme.

Eingangs sagte Dr. Uwe Heuck, Vorsitzender des Kammerorchester-F ördervereins,

wiederum Dank für ehrenamtliches Engagement. Zum einen den Sponsoren – der Familie Gerhard Bürger ( Hildesheim ), der Nemak Wernigerode GmbH und der Stadtwerke Wernigerode GmbH, die auch in schwieriger wirtschaftlicher Situation treu zu ihrem Orchester hielten. Zum anderen den Hausmeistern des Hauptmann-Gymnasiums – den Herren Lang und Lang, dem unermüdlichen Garderobendienst durch das Ehepaar Albrecht ( das dadurch nie in den Konzertgenuss kommt ), den Damen und Herren Bergmann, Bruns, Claus, Grahmann und Thöricke vom Förderverein. Für die nächste Saison ist wieder Erstklassiges in Vorbereitung, bei dem als Wunschmelodien Bachs Brandenburgisches Konzert Nr. 4 und Antonio Rosettis Oboenkonzert in D-Dur erklingen.

Erstklassiges ist für

das Jahr 2010 in

Vorbereitung

An jedem der sechs Abende kommt ein Werk von Claude Debussy zu Gehör. Neben Sinfonik von Alban Berg, Grieg, Haydn, Mahler, Mozart, Nielsen, Prokofjew, Schubert, Schumann und Friedrich Witt – u. a. mit den Orchestersolisten Barbara Toppel, Tomoko Udagawa und Krzysztof Baranowski – wird der Dresdener Komponist C. René Hirschfeld sein Violinkonzert musizieren. In einem Sonderkonzert kommen von Ulrich Schwinn die " Japanischen Lieder " und Gustav Mahlers " Lied von der Erde " anlässlich seines 150. Geburtstages zur Aufführung.