In der idyllischen Kleingartenanlage am Langen Stieg in Oberhasserode herrscht Aufregung. Die 76 Pächter fürchten um die Existenz ihrer Kleinode – Naturschützer um den Lebensraum von Flora und Fauna. Grund : Der neue Flächennutzungsplan sieht dieses Areal für die Bebauung von Freizeit- und Tourismusanlagen vor.

Wernigerode. Aufregung in Oberhasserode. Die etwa vier Hektar große Kleingartenanlage im Bereich Nesseltal ist im neuen Flächennutzungsplan der Stadt nicht mehr allgemeines Wohngebiet, sondern nun als Sonderbauf äche für Freizeit und Tourismus ausgewiesen. Somit könnten die Gärten einer Erweiterung des Hasseröder Ferienparks oder den Bauvorhaben entsprechender Investoren zum Opfer fallen.

" Das hätte fatale Folgen ", meldet sich Erik Lembke bei der Harzer Volksstimme. Der 25-jährige Forstwirtschaftsstudent plädiert dafür, die bestehende Gartenanlage ganz und gar so zu belassen. Der Wernigeröder begründet : " Die Parzellen mit ihren vielen Obstbäumen, Büschen, Lauben, kleinen Teichen und Wiesen bieten außerordentlich vielen Tieren und Pf anzen ein selten gewordenes Refugium. "

Gartenpächter wie Anwohner vom Langen Stieg und Schmiedestraße wüssten sehr wohl, dass Rotmilan, Fledermäuse, Siebenschläfer, verschiedene Amphibien und auch viele Singvögel dort das ganze Jahr über anzutreffen sind. Dieser Lebensraum habe sich seit etwa 30 Jahren etabliert. " Deshalb sollte gründlich abgewogen werden, ob man biologische Reserven gegen wirtschaftliche Interessen tauscht ", mahnt Lembke. Noch gehöre Wernigerode zu den Städten in Deutschland mit dem prozentual höchsten Wald- und Grünfächenanteil. " Das zieht bekanntlich auch viele Touristen an ", so der bekennende Naturschützer.

In gleicher Weise sorgen sich auch die 76 Pächter der Anlage. Für die meisten ist die Parzelle mehr als nur ein Garten. " Bei unserer kleinen Rente können wir nicht groß verreisen und verleben hier unseren Urlaub ", sagt Horst Porombka. Seit 1996 hegen und pf egen er und seine Ehefrau Helga ihre Oase im Grünen. Im wahrsten Sinne des Wortes pudelwohl fühlt sich dort auch ihr Pudel " Timmi ". Schon 24 Jahre lang ist Gerhard Stein im Nesseltal Laubenpieper und weiß : " Die Anlage ist beliebt. Beendet einer den Pachtvertrag, f ndet sich gleich ein neuer Interessent. " Deshalb ärgert ihn und seine Gleichgesinnten die Aussage im Umweltbericht zum neuen Flächennutzungsplan, dass " die Gartenanlage aus überwiegend einfach strukturierten Gartenparzellen, ohne bemerkenswerten Charakter besteht und keinen besonderen Blickfang in Hasserode bildet ", zitiert Stein und liest heraus : " Man will uns weghaben. "

Obwohl die Angst groß sei, die über viele Jahre liebgewonnene grüne Oase aufgeben zu müssen, " üben wir noch nicht den Aufstand. " Gerhard Stein und viele andere Gleichgesinnte haben sich mit einem Offenen Brief an die Stadtratsfraktionen mit der Bitte um Unterstützung gewandt. Mit Erfolg.

" Wir nehmen die Bedenken ernst ", versichert Hans-Dieter Nadler, Chefplaner im Rathaus, auf Nachfrage. Er halte die Aufregung für unnötig, denn bislang gebe es keine Absichten, das Gartengelände zu bebauen, auch vom Hasseröder Ferienpark nicht, was die Geschäftsleitung gestern gegenüber der Volksstimme bestätigte.

Auf einer Informationsveranstaltung am Donnerstag, 14. Mai, ab 19 Uhr im Hochschul-Hörsaal 4001 will die Stadtverwaltung aufklären. Auch darüber, was wäre, wenn dort wirklich einmal gebaut werden sollte, " wobei solch ein Fall zeitlich bisher noch überhaupt nicht absehbar ist ". Die Pächter und Anwohner vom Schmiedeberg sowie Interessenten sind herzlich eingeladen.