Wernigerode ( pwr ). Wieder einmal hat Daniela Dahn, die unbequeme Autorin, ein Buch veröffentlicht, das die aktuelle Situation in Gesamtdeutschland und die Wirtschaftskrise zum Inhalt hat. Mit scharfem Verstand, pointierter Formulierung und ohne Tabus beschreibt sie das Dilemma der Ost- und Westdeutschen. Fazit : Nur Akzeptanz und Toleranz beider Seiten wird Deutschland weiterbringen.

" Es gibt ein positives Erbe der DDR und der alten Bundesrepublik. Wir haben beides schon beinahe verspielt. Und deshalb lautet der Befund heute : Mehr noch als der frühere Osten ist der Westen zum Verlierer der deutschen Einheit geworden. Ohne Systemkonkurrenz hat er seinen Halt verloren. Werte und Ziele wie Wohlstand für alle, mehr bürgerliche Freiheiten, soziales Wirtschaften und eine intellektuelle Kultur, die auf Meinungsvielfalt setzt – sie schwinden dahin. So falsch wie alles gelaufen ist, sitzen die gebeutelten Westschwestern und –brüder auf unabsehbare Zeit in der Transfer-Falle. Der Hauptteil der jährlich etwa 100 Milliarden Euro, die in den Osten fießen, wird für Arbeitslosengeld, Rente und Sozialleistungen ausgegeben, auf die ein gesetzlicher Anspruch besteht. Sparen ließe sich theoretisch nur an den 13 Prozent des Transfers, die echte Sonderleistungen für die östliche Wirtschaftsförderung sind. Wenn die aber fehlen, wird es noch mehr Niedriglohnempfänger, Arbeitslose und Frührentner geben – die Sozialleistungen dafür würden die Einsparungen wieder auffressen. Das heißt, am Osten sparen, geht nicht. Der hat aber durch die nationale Einheit Anspruch auf westliche Standards. Der Sieger muss zahlen und büßt dabei auch noch sein über Jahrzehnte gültiges Wertesystem ein. So gesehen ist nicht zu bestreiten : Der Westen ist der Verlierer der deutschen Einheit. "

Zur Buchlesung mit dem Titel " Wehe dem Sieger " wird am morgigen Mittwoch um 19. 30 Uhr in Jüttners Buchhandlung, Westernstraße 10, in Wernigerode eingeladen. Im Anschluss wird die Autorin Bücher signieren und Fragen beantworten.