Der Ernst-Thälmann-Gedenkstein, der in Wernigerode ein ungepfegtes Dasein nahe der Straße Am Ziegenberg fristen muss, beschäftigt die Leser der Volksstimme nach wie vor. Mit Siegfried Bräunling stellte ein Zeitzeuge der Redaktion Fotos zur Verfügung, die von einem " Subbotnik " im Jahr 1977 an besagtem Gedenkstein künden.

Wernigerode. Von vier Spuren, die ein Hinweis auf die Herkunft des Gedenksteins sind, hatte die Volksstimme in ihrer Ausgabe vom 7. Mai berichtet. Unsere Leser Christiane Ottenberg, Matthias Helmstedt, Klaus Oswald und Christian Härtel zeigten sich in ihren Wortmeldungen davon überzeugt, dass der Ernst-Thälmann-Gedenkstein einst auf ihrem Schulhof gestanden habe. Allerdings konnten sich die Leser nicht auf eine gemeinsame Schule " einigen ". Ihrer Erinnerung nach habe der Stein, der zum Gedenken an den wohl bekanntesten früheren Chef der Kommunistischen Partei Deutschlands aufgestellt worden ist, an der Maxim-Gorki-, an der Adolph-Diesterweg-, an der Wilhelm-Raabe- oder gar an der Ernst-Thälmann-Schule gestanden.

Dazu äußerte sich Alfred Bartsch. Er weiß, dass 1957 die Zentralleitung der DDR-Pionierorganisation alle Schulen aufgerufen habe, zu Ehren ihres Namensträgers eine Gedenkstätte auf dem Schulgelände zu schaffen. Bartsch : " Das geschah auf vielfältige Weise und wohl an allen Schulen. Etwas später gab es ein Flachrelief mit dem Kopf und der charakteristischen Mütze Thälmanns. Das ist eigentlich die ganze Sachlage !" Wie der Wernigeröder Leser abschließend mitteilte, seien nach 1990 all diese Stätten " dem umfassenden Bildersturm zum Opfer gefallen ; jedenfalls mit ganz wenigen Ausnahmen. "

Udo Hammelsbeck teilte in seiner Zuschrift mit : " Interessant ist die Tatsache, dass heute nach 20 Jahren Wende keiner mehr wissen will, wo sich in Wernigerode und anderswo Denkmale von Ernst Thälmann befunden haben. " Er könne sich an solche am einstigen Kreispionierhaus Unterm Ratskopf ( derzeit Volkshochschule ) und vor dem Gebäude der SEDKreisleitung ( dem heutigen Hotel Erbprinzenpalais ) erinnern. Für den Drübecker ist der Standort des heute unter Gebüsch und Unrat fast verborgenen Gedenksteins Am Ziegenberg " etwas ungewöhnlich ". Brigitte Dieckmann, Anwohnerin Am Ziegenberg, bekräftigte bei ihrem Anruf, dass keine Schule mit der Wende " ihren " Thälmann-Stein in der Nachbarschaft " entsorgt " habe. Wie die Wernigeröderin betonte, habe es mindestens seit 1975 " eine richtige Gedenkstätte mit Hecke und Blumen rings um den Stein gegeben ".

Der Volksstimme-Leser Siegfried Bräunling meldete sich in der Redaktion und berichtete, dass der Gedenkstein im Jahr 1962 oder 1963 Am Ziegenberg eingeweiht worden sei. Das habe er von einem Bekannten erfahren, der seinerzeit als Pionier dabei gewesen sei. Bräunling stellte der Redaktion darüberhinaus Fotodokumente eines heute eher unüblichen, damals jedoch normalen Einsatzes zur Verfügung. Siegfried Bräunling : " Bereits im Jahr 1977 war der Stein total von Unkraut und Hecke zugewachsen und fristete ein kümmerliches Dasein. Unsere SED-Parteigruppe

Technik aus dem VEB Füllhalterfabrik

Heiko hat nämlich in diesem Jahr in einem freiwilligen Arbeitseinsatz diese Gedenkstätte auf Vordermann gebracht. "

Wie sich der Leser erinnerte, mussten mehrere Multicar-Ladungen an Strauchschnitt und Unrat abgefahren sowie die Wegeeinfassung des Rondells mit Granitschindeln wieder hergestellt werden. Zusätzlich sei das Thälmann-Bildnis mit Goldbronze gestrichen und die Namens-Inschrift mit schwarzer Farbe erneuert worden.

Bräunling : " Die Anlage war eine richtige Augenweide, nachdem sie durch uns wieder hergestellt war. Leider fand sich im Wohngebiet Ziegenberg niemand, der die Anlage dann weiterpfegte. " Der Leser ist sich sicher, dass dieser Gedenkstein " auf keinen Fall zuvor auf irgendeinem Schulhof gestanden " habe, sondern schon immer am Ziegenberg – so wie noch heute. Wann und durch wen dieser allerdings aufgestellt worden ist, das wisse Siegfried Bräunling nicht.

" Der einzige Stein mit

einem Namenszug "

Der Benzingeröder Michael Hartung teilte der Redaktion mit : " Seit über einem Jahr beschäftige ich mich in meiner Freizeit mit Harzer Denkmälern. Wichtige Quellen sind dabei die umfangreichen Aufzeichnungen von Erich Menke über die Gedenksteine im ehemaligen Landkreis Wernigerode, die in der Harzbibliothek für jeden einzusehen sind. " Daraus gehe hervor, dass es in vielen Wernigeröder Schulen bis 1989 fast identische Thälmannsteine gegeben habe.

Der Stein im kleinen Park am Ziegenstein " ist aber der einzige mit dem Schriftzug ‘ Ernst Thälmann ‘", so Hartung. Bei seinen Wanderungen durch den gesamten Harz habe er bisher mehr als 750 Denkmäler, Gedenksteine und Tafeln dokumentiert. Die meisten würden sich in einem ordentlichen und gepfegten Zustand bef nden, so auch ein Thälmann-Denkmal in Ellrich. Einige Steine verschiedenster Bedeutungen könnten eine Restaurierung bzw. einfache Pf egearbeiten vertragen. Dafür seien Vereine gefragt, die sich mit den Denkmälern und Steinen identif zieren könnten. Der Wernigeröder Harzclub-Zweigverein habe mit dem städtischen Gartenamt beispielsweise die Weihnachtssteine am Agnesberg wieder hergerichtet, informierte Hartung. Der Benzingeröder schlägt vor, dass die Parteigruppe der Linken in Wernigerode in einem Arbeitseinsatz das Thälmann-Denkmal Am Ziegenberg in einen ordentlichen Zustand versetzen könne. Ein Thälmann-Bildnis, das zu DDR-Zeiten sicherlich als Massenware produziert wurde, ließe sich bestimmt wieder besorgen …

Hartung : " Übrigens wäre die Reinigung der Kriegsopfer-Gedenksteine 1866 und 1871 / 72 am Holfelder Platz in Wernigerode auch wieder notwendig, beispielsweise durch den Einsatz eines Schützenvereins. "