Wernigerode ( pwr ). Anlässlich des 30. Todestages von Richard Bartels sowie des 120. Geburts- und 40. Todestages von Max Otto ehrte der SPD-Ortsverein jetzt die beiden verdienstvollen Wernigeröder. Ihnen wurde jeweils ein Baum an der Lindenallee gewidmet.

Der Vize-Vorsitzende Ralf Mattern ließ deren Lebensdaten Revue passieren : Malermeister Richard Bartels, Neffe von Albert Bartels, wurde in den 1920-er Jahren mehrfach in die Stadtverordnetenversammlung gewählt und war auch ehrenamtlicher Stadtrat bis 1933. Die Nazis verhafteten ihn zweimal. Nach 1945 wurde Richard Bartels SPD-Ortsvereinschef. Er geriet jedoch als " Sprachrohr " der Sozialdemokraten, die sich gegen die von vielen als Zwangsvereinigung empfundene Fusion mit der KPD zur SED wehrten, ins Visier der Kommunisten und der sowjetischen Besatzer. Diese verhafteten Bartels erneut zweimal. Er wurde – wie 1933 – als Stadtrat entlassen und konnte, kurz bevor er 1950 das dritte Mal verhaftet werden sollte, fliehen. Bis 1961 war er Betriebsrat bei der Merck AG in Darmstadt. Er starb am 10. Mai 1979.

Eine ähnliche Vita hatte Max Otto : In den 1920-er Jahren war er Vorsitzender des Wernigeröder Gewerkschaftsbundes und wurde 1929 in die Stadtverordnetenversammlung gewählt. Auch ihn verhafteten die Nazis zweimal. Im April 1945 wurde er als ein ehrenhafter Deutscher von der amerikanischen Besatzungsmacht zum Ersten Bürgermeister ernannt. Die nachfolgende sowjetische Kommandantur wollte dies zunächst rückgängig machen, beließ den beliebten Politiker jedoch im Amt. Otto war 1945 maßgeblich an der Gründung des Hygiene-Institutes in der Burgstraße ( heute Robert-Koch-Institut ) beteiligt. Bei den letzten relativ freien Wahlen in der Ostzone 1946 wurde er als Bürgermeister bestätigt, verlor aber 1950 sein Amt. Max Otto starb am 14. Januar 1969.