Wienrode. Mehr als 80 Interessierte hat jüngst eine weitere Einwohnerversammlung zum Thema Eingemeindung Wienrodes nach Blankenburg oder nach Thale in das Dorfgemeinschaftshaus gelockt. Beide Stadtoberhäupter, Hanns-Michael Noll ( Blankenburg ) und Thomas Balcerowski ( Thale ), warben um die Stimmen der Wienröder bei dem, für Sonntag, 7. Juni, angesetzten Bürgerentscheid.

Wienrodes Bürgermeister Ulf Voigt präsentierte den Anwesenden in seiner Eröffnungsrede das Ergebnis der Bürgeranhörung vom 17. Februar 2008 : 60 Prozent votierten damals für eine Zugehörigkeit zu Blankenburg und 40 Prozent für Thale. Voigt : " Das war nur eine Richtung, kein Entscheid. " Der Rat hätte anders entscheiden können. " Wie Timmenrode !" entgegnete ein Zuhörer lautstark. " Wir wollen sachlich bleiben ", rief das Gemeindeoberhaupt zur Ordnung. Die Gebietsänderungsverträge seien fast fertig, ließ sich Voigt nicht beirren. Diese könnten schnell nach dem Bürgerentscheid unterzeichnet werden. Voigt bat daraufhin Noll und Balcerowski, für " ihre " Städte zu werben, um später aber anzumerken : " Wir sind keine attraktive Braut mit drei Millionen Euro Schulden. " Auch seine Polemik zur Entscheidungskompetenz der Wahlberechtigten (" Welcher Bürger kann das ?"), blieb nicht ohne Antwort aus der Zuschauermasse : " Sachlich bleiben !"

" Die Versammlung ist im Grunde überflüssig ", begann Blankenburgs Stadtoberhaupt seine Rede und führte als Erklärung die 60 Prozent der Bürger an, die sich bei der Anhörung im vergangenen Jahr für die Blütenstadt entschieden haben. Noll : " Wenn das Ergebnis umgekehrt gewesen wäre, wären sie meiner Meinung nach schon in Thale ", verteilte er einen verbalen Seitenhieb.

Bei der Aufzählung der wirtschaftlichen Stärken seiner Stadt verwies Noll unter anderem auf die allein 750 Arbeitsplätze im Pflegebereich und sagte : " Das ist auch ein Wirtschaftsfaktor, nicht nur das produzierende Gewerbe ". Als Glücksfall für die Stadt bezeichnete er, dass sich die Kräne an der Schlosskaserne und der alten Poliklinik drehen. Dort entsteht derzeit ein Borreliose Centrum samt Wellness- und Tagungshotel.

Außerdem betonte Noll, dass die historischen Wurzeln nicht in die Ecke gestellt werden sollten und erntete dafür Applaus.

" Ich freue mich, dass wir noch willkommen sind. " Mit diesen Worten begann Thales Stadt oberhaupt seine Rede und bezeichnete den Bürgerentscheid als " Schicksalswahl ". " Wir Thalenser sind eine Alternative für sie ", fuhr er fort. Balcerows ki kündigte an, dass Thale die Erlebniswelt Bodetal ausbauen werde und sagte : " Wenn wir im Kerngebiet des Bodetals erfolgreich sind, wird das sicherlich auf Wienrode ausstrahlen. "

Beim Thema Mitbestimmung versprach Hanns-Michael Noll : " Wir werden einen neuen Stadtrat mit den neu dazukommenden Orten wählen. " " Dieses Mitbestimmungsrecht haben sie in Thale nicht ", antwortete Thomas Balcerowski. Dort werde es keine Neuwahlen geben. " Die, die später kommen, werden in dieser Legislatur nicht vertreten sein ", so der Thalenser.