Vor 50 Jahren, am 3. Oktober 1959, wurde die Rappbodetalsperre eingeweiht. Helmut Pape war damals Objektleiter der Bodetalsperren und Chef der Ostharztalsperren bis 1996. Für die Harzer Volksstimme berichtet der Oberingenieur über die geschichtliche Entwicklung des gigantischen Bauprojektes. Im Teil 7 das Wohnlager, der Diabassteinbruch und die Betonieranlage :

Auf den Baustellen des Bodewerkes waren bis zu 1200 Beschäftigte im Einsatz, vom einfachen Arbeiter bis zum Wissenschaftler. Die meisten von ihnen reisten täglich aus den nahegelegenen Ortschaften mit vertraglich gebundenen Bussen an und ab. In der Produktion, das heißt, auf den Baustellen, wurde im Dreischichtsystem gearbeitet.

Die Arbeit begann jeweils am Montag um 6 Uhr und endete in der Spätschicht am Sonnabend nach Fertigstellung des angefangenen, zu betonierenden Blockes. Die Verwaltungsmitarbeiter fuhren Normalschicht vom Montag bis Sonnabendmittag.

Die Beschäftigten, die weitentfernt zu Hause waren, wurden in der Woche im Wohnlager untergebracht. Es gab an der Rappbodetalsperre 15 Unterkunftsbaracken mit jeweils acht bis zehn Zimmern. In einem Zimmer wohnten im Schnitt vier Leute. Dazu gab es gut ausgestattete Waschräume mit Duschen und Toiletten, eine große Unterkunft diente als Aufenthaltsraum. Hier war auch ein Konsum eingerichtet, in dem alle Dinge des täglichen Bedarfs erworben werden konnten.

In einer großen Küche mit Speisesaal erfolgte die Versorgung täglich von 6 bis 24 Uhr, außer Sonntags. Die Krankenstation war ständig mit einer Krankenschwester besetzt. An drei Tagen in der Woche war dort auch ein Arzt tätig. In der großen Kulturbaracke mit Platzmöglichkeiten für 500 Besucher fanden viele Großveranstaltungen in der Woche statt. Das gesamte Wohnlager war mit einer Zentralheizung ausgestattet. Alle Einrichtungen wurden von einem Hochbehälter auf dem Kohlenberg mit Trinkwasser versorgt.

Um die großen Betonmengen Rande des Steinbruchs gelegene Vorbrecheranlage transportiert und dort gebrochen und gewaschen.

Nach Zwischenlagerung in einer überdachten Vorratshalle erfolgte der Transport mit einer 510 Meter langen Seilbahn zur Betonieranlage. Das erforderliche Steinmehl wurde durch Zermahlen in Kugelmühlen hergestellt.

Betonieranlage

Der für die Betonherstellung vorgeschriebene Hochofenzement 225 kam von der Maxhütte Unterwellenborn per Bahn bis zur Station Hüttenrode, wurde dort in Silos zwischengelagert und je nach Bedarf in geschlossenen Kübeln über eine 3450 Meter lange Seilbahn zur Betonieranlage auf der Baustelle befördert. In der Anlage wurde der Beton auf zwei Bandstraßen mit je einem Durchlaufmischer hergestellt. Auf jeder Bandstraße konnten 60 Kubikmeter / Stunde gemischt werden. Die Zugabe der Zuschlagstoffe und des Zefür die Rappbodetalsperre herstellen zu können, war es erforderlich, dass in angemessener Entfernung die Zuschlagstoffe gewonnen werden können, da die Transportkapazitäten und auch der Treibstoff nicht in ausreichender Menge zur Verfügung standen.

Diabassteinbruch

Während im Bereich der Sperrmauer vorwiegend Schiefergestein ansteht, bef ndet sich in 600 Meter Entfernung von der Baustelle eine große Diabaslinse.

Die Gewinnung des Materials erfolgte durch Kammersprengungen, die mit 30 bis 45 Tonnen Sprengstoff erfolgten. Das Material wurde dann mit Dampfbaggern geladen, mittels Gleisbetrieb in eine am ments erfolgte über Bänder, das Wasser wurde direkt in die Mischtrommel gepumpt. Unter den Mischtrommeln befanden sich zwei Aufnahmetrichter, die in die daruntergefahrenen Betonkübel entleert wurden.

Der Mischungsvorgang wurde hinsichtlich der Zusammensetzung ständig durch einen Bauwart der Oberbauleitung überwacht.

Der Transport des Betons von der Betonieranlage auf die Förderbrücke erfolgte auf Tiefladeloren mit 750 Millimeter Spurweite mit Dampf- bzw. Dieselloks. Die Förderbrücke verlief rechtwinklig zur Mauerachse im Feld 27 auf der Höhe 400 Meter N. N. Dort wurden die Betonkübel vom Kabelkran übernommen und zu dem zu betonierenden Block transportiert. Die Blöcke hatten eine maximale Größe von 16 mal 16 Meter. Der Beton wurde in fünf Rüttelschichten mit einer Höhe von 50 Zentimetern eingebracht. Damit ergab sich jeweils eine Blockhöhe von 2, 50 Meter. Als Schalung wurde eine Kletterschalung verwandt. Während die Feldfugen senkrecht verliefen, wurden die Blockfugen versetzt angeordnet.