Blankenburg. " Wenn Sie nicht unterschreiben, dann klemmen wir den Strom ab. " Mit einer solchen Drohung sollen vorgestern zwei sogenannte Drücker versucht haben, ältere Blankenburger zu einem Vertragsabschluss zu bewegen. Davon berichtete gestern Ute Weihrauch von den Blankenburger Stadtwerken. Mehrere Kunden des hiesigen Energieversorgers hätten dort hilfesuchend angerufen, sagte Weihrauch.

" Die sind so frech gewesen ", beschwerte sich eine betroffene 77-Jährige im Volksstimme-Gespräch. " Ich habe gedacht, die treten die Tür ein ", berichtete die Rentnerin, die mit ihrem 78-jährigen Ehemann an der Blankenburger Lessingstraße wohnt. Nachdem die Blütenstädterin den beiden Männern die Tür geöffnet hatte, seien sie an ihr vorbei in die Wohnung gerannt. Einer sei in die Küche gegangen, und der andere hätte gleich im Wohnzimmer Platz genommen und seine Unterlagen ausgebreitet. Vorher hätten die ungebetenen Gäste den beiden überraschten Rentnern gesagt, sie kämen wegen Strom und Telefon und hätten einen Ausweis mit Foto, Adresse und Stempel des Landratsamts Greiz gezeigt, erinnert sich die 77-Jährige noch genau. " Wir wollten sie nicht reinlassen, sie sind einfach reingelaufen ", erklärte die Seniorin.

Einmal eingedrungen, hätten die beiden Verkäufer die Blankenburger Senioren so lange bearbeitet, bis diese schließlich die Unterlagen unterzeichneten. " Man schaltet nicht mehr so schnell, wenn man so alt ist ", bemerkte die Rentnerin und fügte an : " Wir sind bei den Stadtwerken und wollen dort auch bleiben. " Aus diesem Grund hätten die beiden Senioren sofort gehandelt und wollten noch gestern ein Schreiben an den ungewollten Vertragspartner senden und damit das Haustürgeschäft widerrufen.

Von der Drückerattacke seien mehrere ältere Einwohner betroffen, vermutete die Seniorin. Von ihrem rund 80-jährigen Nachbarn wisse sie es sicher. Denn dort seien die Verkäufer auch " reingestürmt ", erklärte sie.

Manfred Becker von der Polizei in Blankenburg berichtete gestern auf Nachfrage der Harzer Volksstimme ebenfalls von Werbern, die auf dem Siedlungsweg unterwegs gewesen seien. Zwei dieser Verkäufer seien von der Polizei überprüft und deren Personalien aufgenommen worden. Ob unlautere Mittel zum Einsatz gekommen seien, konnte der Polizeibeamte nicht sagen. Bis gestern seien zumindest keine Anzeigen erstattet worden, sagte dieser.

Den Blankenburgern rät Becker, vorsichtig zu sein und im Zweifelsfall niemanden in die Wohnung hereinzulassen.

Solche Verkäufer möglichst nicht in die Wohnung zu lassen, empfehlt auch Guido Sünnemann, Chef der Kriminalpolizei im Harzkreis. Der Ermittler rät ebenfalls, sich den Personal- oder Dienstausweis zeigen zu lassen, mit in die Wohnung zu nehmen und bei den Unternehmen anzurufen, dass den Verkäufer geschickt haben soll. Sünnemann : " Jeder, der seriös verkauft, lässt das zu. "

Auch sollte der angebotene Vertrag nicht am selben Tag unterschrieben werden. Der Ermittler : " Seriöse Verkäufer kommen an einem anderen Tag wieder. " Besonders Älteren und Alleinstehenden rät der Polizist, Nachbarn oder Verwandte zum Gespräch mit dem Verkäufer dazuzuholen. Wenn jemand unter Druck gesetzt wird, am besten den Polizei-Notruf wählen. Sünnemann : " Keiner wird für den Einsatz bezahlen müssen. "

Sollte es Fragen geben, könnten sich Interessierte und Betroffene an die Polizei oder die Verbraucherzentrale wenden.