Einer gemeinsamen Zukunft sehen Halberstadt und Wernigerode entgegen. Wie Landrat Michael Ermrich jetzt vorab verriet, ist die Fusion der beiden Städte schon längst geplant. Mit diesem " mutigen Schritt " erhoffe er sich ein Harzer Oberzentrum und Millionenzuschüsse vom Land.

Halberstadt / Wernigerode. Bisher war nur ein kleiner Kreis eingeweiht, jetzt sickerte die Neuigkeit durch. Wie die Harzer Volksstimme erfuhr, wird bereits seit Monaten die Ehe der zwei größten Städte im Harzkreis vorbereitet – von Halberstadt als stattlichem Bräutigam und Wernigerode als schöner Braut zur gemeinsamen neuen großen Kraft.

Was zuerst unglaublich klingt, mache durchaus Sinn, wie Landrat Michael Ermrich ( CDU ) im Gespräch begründet. " Dessau und Roßlau haben es ja vorgemacht. Die Fusion von zwei Orten ist kein ungewöhnlicher Vorgang. "

Eine Ehe der beiden Städte bringt viele Vorteile, es geht um Macht und um Geld. " Nach der Fusion sind wir mit zirka 77 000 Einwohnern die viertgrößte Stadt in Sachsen-Anhalt – nach Halle, Magdeburg und Dessau-Roßlau. Eine Aufwertung zum Oberzentrum ist durchaus realistisch ", frohlockt Ermrich. Das schlage sich künftig auch in den Fördergeldern nieder. Der Landrat rechnet mit Zuschüssen in Millionenhöhe und wagt sogar Prognosen : " Über die Zukunft des Nordharzer Städtebundtheaters und des Philharmonischen Kammerorchesters brauchen wir uns dann keine Sorgen mehr zu machen. "

Halberstadts Oberbürgermeister Andreas Henke ( Linke ) unterstützt die Pläne aus voller Überzeugung. " Hier geht es um die Zukunft und das Überleben unserer Stadt. Und wenn wir dafür mit Wernigerode zusammengehen müssen, dann machen wir das. " Wernigerodes Stadtoberhaupt Peter Gaffert ( parteilos ) ist sogar noch euphorischer. " Das ist eine einmalige Chance für beide Orte ", so Gaffert auf Volksstimme-Nachfrage. " Halberstadt hat dann ein Schloss, und wir bekommen den Dom. " Auch könne so endlich das Kriegsbeil zwischen beiden Orten begraben werden, weil Wernigerode " sozusagen wieder Kreisstadt ist und Halberstadt dann tatsächlich das Tor zum Harz wird ".

Einziger Haken ist im Moment noch Derenburg. Die Stadt müsste sich vorher von Halberstadt oder Wernigerode eingemeinden lassen, so dass es eine gemeinsame Gemarkungsgrenze gibt.

Auch die Landesregierung sieht den Harzer Vorstoß mit Wohlwollen, wie aus dem Innenministerium zu erfahren war. " Damit nehmen Halberstadt und Wernigerode die Zukunft in die Hand ", so ein Sprecher von Innenminister Holger Hövelmann ( SPD ). " Schließlich ist nach der Gebietsreform vor der Gebietsreform : Also, die nächste kommt bestimmt. Und dann sind die beiden Städte dem Land sogar schon einen Schritt voraus. "

Recht bedeckt zu den Plänen der Nachbarn halten sich derzeit noch die Quedlinburger. So werde es auch bleiben, wie die Harzer Volksstimme in Erfahrung brachte. Sollte sich Quedlinburg bei der Ehe von Halberstadt und Wernigerode nicht querstellen, ist von 18 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket die Rede, mit denen die Weltkulturerbestadt ihren alten Schlossberg sanieren könnte.

Damit stehen Michael Ermrich, Andreas Henke und Peter Gaffert nun vor großen Aufgaben, um die Fusion, die zum 1. Juni 2014, also noch vor den übernächsten Kommunalwahlen geplant ist, perfekt zu machen. Ein entsprechender Vertrag muss ausgehandelt, ein gemeinsamer Name noch gefunden werden.

" Fakt ist ", sagt Landrat Ermrich, " so ein Rumgeeiere wie derzeit im Oberharz wird es nicht geben. " Zwar seien auch schon Namensgebilde wie Halberode oder Werniberstadt im Gespräch, aber alles sei offen. Ermrich selbst favorisiert die " Bindestrich-Variante " – wie eben bei einer modernen Ehe.

Auch in punkto neues Stadtwappen wird inzwischen heiß diskutiert. Einige Vorschläge gibt es aber schon ( siehe Grafik ). Ein Heraldik-Experte ist eingeschaltet und wird die Entwürfe in Kürze prüfen. Der gemeinsame Beiname von Halberstadt-Wernigerode steht aber schon fest : " Die bunte Domstadt am Harz ". Übrigens