Halberstadt. Erstklässler können nicht richtig sprechen. Sie stottern, ihnen fehlen die Worte, vom korrekten Satzbau ganz zu schweigen. Das Gesundheitsamt der Kreisverwaltung bezeichnet dies als alarmierend. Von 1689 untersuchten Mädchen und Jungen hätten 35 Prozent auffällige Sprachstörungen gezeigt. Die Kinderärzte des Kreis-Gesundheitsamtes nennen sechs Auffälligkeiten ( siehe Graf k ).

Nicht nur die bei der Schuleingangsuntersuchung 2006 / 07 diagnostizierten Sprachstörungen bei 598 Kindern ist alarmierend. Auch das Nichtwissen der Eltern um diese Def zite ihrer Sprösslinge. Gerade mal 40 Prozent der Mädchen und Jungen mit sprachlichen Def - ziten habe sich deswegen bereits in Behandlung befunden.

In 357 Fällen musste der Kinder- und Jugendgesundheitsdienst der Kreisverwaltung eine logopädische Behandlung vorschlagen. Die Konsequenz : Bei vielen Kindern beginnt die Behandlung ( siehe Kasten ) zu spät.

Diese Daten der Kreisverwaltung hat der Fraktionschef der bündnisgrünen Kreistagsfraktion, Peter Lehmann, auf seine Anfrage erhalten. Ausgangspunkt für sein Interesse am Gesundheitszustand der Schulanfänger sei ein Medienbericht aus dem niedersächsischen Goslar gewesen. Die dortige Zeitung hatte über entsprechende Untersuchungsergebnisse berichtet. Auch Lehmann zeigte sich gegenüber der Volksstimme angesichts der Zahlen über die weitverbreitete Sprachstörung erschrocken.

Der Politiker erklärte, derzeit keine konkreten Forderungen an die Eltern oder aber an die Verantwortlichen in den Kindertagesstätten zu richten. Zunächst habe er sich an die Volksstimme gewandt, um diese Problematik " in die breite Öffentlichkeit zu rücken ".

Lehmann : " Ich hoffe, dass auf diese Weise dieses wichtige Thema in die Köpfe der Menschen gelangt. Sicher ist in jedem Fall, allein mit dem Bericht des Gesundheitsamtes dürfen wir uns nicht begnügen. "

Zumal dieses Papier auch weitere Daten zur Gesundheit der untersuchten Sechsjährigen aufzeigt, nämlich die zum Körpergewicht. Dabei weisen die Werte – im Gegensatz zu den Sprachstörungen – nicht solche alarmierenden Auffälligkeiten auf. Bei den Mädchen ( 83 Prozent mit Normalgewicht ) liege ein leicht günstigeres Verhältnis beim sogenannten Body-Maß-Index ( BMI ) = Körpergewicht : Körperlänge vor. Die untersuchten Jungen kämen dabei auf einen Wert von 78 Prozent.

Wie das Kreis-Gesundheitsamt zudem in seiner Antwort auf die Lehmann-Kreistagsanfrage mitteilte, wurden von den 1698 Einschulungskindern im Jahr 2007 rund elf Prozent ein Jahr später erneut untersucht. Dabei sollte festgestellt werden, ob die diagnostizierten Probleme behoben werden konnten bzw. sich soweit gebessert hatten, dass die Einschulung empfohlen werden kann.