Vor 50 Jahren, am 3. Oktober 1959, wurde die Rappbodetalsperre eingeweiht. Helmut Pape war damals Objektleiter der Bodetalsperren und Chef der Ostharztalsperren bis 1996. Für die Harzer Volksstimme berichtet der Oberingenieur über die geschichtliche Entwicklung des gigantischen Bauprojektes. Im Teil 8 der Umleitungsstollen und der Straßentunnel :

Der ehemalige Umleitungsstollen dient heute zur Hochwasserentlastung. Er beginnt 120 Meter vor dem Fuß der Rappbodetalsperre und endet luftseitig im Umlaufstollenkraftwerk im Bereich der Talsperre Wendefurth.

Der Stollen hat eine Länge von 355 Meter und einen Querschnitt von acht Quadratmeter. Er ist auf der gesamten Länge mit Beton ausgekleidet. Die maximale Leistung des Stollens beträgt 80 Kubikmeter / Sekunde.

Der Notverschluss erfolgt wasserseitig durch ein auf dem Schrägaufzug angeordnetes Stahlschütz. In Stollenmitte, unter dem Schieberhaus, gewährleistet ein 90 Meter tiefer Schacht die Befahrung. In diesem Schacht sind Feinrechen – austauschbar gegen ein Revisionsschutz – und Hauptschütz angeordnet.

Auftragnehmer für den Bau des Straßentunnels war der VEB Schachtbau Nordhausen. Die Unterbringung der Mitarbeiter erfolgte in einem gesonderten Wohnlager, rund 500 Meter hinter dem Straßentunnel in Richtung Rübeland, dem heutigen Betriebshof des Talsperrenbetriebes des Landes Sachsen-Anhalt.

Als Ersatz für die überflutete Verbindungsstraße 96 von Hasselfelde nach Rübeland war erforderlich, eine neue Straße nach Rübeland über die Sperrmauer zu führen. Eine Umfahrung des 30 Meter hohen Berges am linken Hang war aus verkehrstechnischen und baulichen Gründen nicht ratsam. Ein Einschnitt, in Weiterführung der Straße durch den Höhenzug, würde bis 20 Meter hohe Stützmauern erfordern, deren Gründung auf dem hangparallel zum Tal fallenden plattigem Schiefergestein ebenfalls nicht sicher erschien. Ein offener Einschnitt wurde wegen des großen Massentransports, vor allem aber mit Rücksicht auf das Landschaftsbild abgelehnt.

Demgegenüber bot der Bau eines 220 Meter langen Straßentunnels in Weiterführung der Straße, im Anschluss an die Sperrmauer durch den Höhenzug, eine bessere Lösung.

Da das Gebirge stark zerklüftet war, konnte ein Vollausbruch wegen der Standsicherheit nicht erfolgen. Der schon seit zwölf Jahren vorhandene Richtstollen brachte einen guten Einblick in die Beschaffenheit und Standfestigkeit des Gebirges.

Der Ausbruch erfolgte in Verbindung mit dem vorhandenen Richtstollen, einem Firststollen, und den beiden Widerlagerstollen in Kernbauweise. Der Ausbruch des Bogens konnte nur abschnittsweise, je nach Standfestigkeit des Gebirges, in Abschnitten hergestellt und in die zu betonierenden Bögen gepumpt und sorgfältig gerüttelt. Eine Isolierung auf den Betonbögen konnte nicht erfolgen, da das Gebirge ständig nachbrach.

Der Ausbruch wurde sehr sorgfältig gemacht und der gesamte Bogen mit Beton ausgekleidet. In die Fugen wurde ein Weißstrick gelegt, der das Sickerwasser in eine Drainage ableitete.

Die Aushubmassen wurden rechtsseitig vor dem Tunnel, dem heutigen Parkplatz, abgekippt. Die Inschrift an der Tafel musste nach der Wende verändert werden. Auf Anordnung des Ministeriums wurden die Zeilen " Ein Großbau des Sozialismus " entfernt. In der Zwischenzeit ist die Vollständigkeit wieder hergestellt.

Nach Einbringen der Fundamente in den Widerlagern wurde der Stahlbogen für die Schalung aufgestellt und auf dem noch vorhandenen Kern abgestützt.