2009 jährte sich der 310. Jahrestag der Gründung des Postamtes Wernigerode. Im März dieses Jahres schloss die letzte Filiale in der Marktstraße. Doch wird eindrucksvoll des Ereignisses gedacht – so auch vom Harz-Verein für Geschichte und Altertumskunde.

Wernigerode. " Geschichte des Post- und Fernmeldewesens in Wernigerode von den Anfängen bis 1945 " heißt der 25. Band der Harz-Forschungen. Der Harz-Verein für Geschichte und Altertumskunde, der die Reihe herausgibt, stellte die Publikation in einer Pressekonferenz auf Schloss Wernigerode vor. Autor ist der am 22. April 2002 verstorbene Postrat Ulrich Flachs. Dr. Jörg Brückner, der Leiter der Wernigeröder Außenstelle des Landeshauptarchivs Sachsen-Anhalt und Freund, übernahm die behutsame Überarbeitung und Ergänzung durch eigene Quellen- und Literaturstudien zu dem bislang nur teilweise veröffentlichten Werk. Er war mit Ulrich Flachs durch Forschungen zu preußischen, mecklenburgischen und anhaltischen Postmeilensäulen verbunden. Jetzt liegt der Band als illustrierte und 96 Seiten starke wissenschaftliche Studie vor, erschienen im Berliner Lukas-Verlag.

Der 1868 in Wernigerode gegründete Harz-Verein für Geschichte und Altertumskunde ist ein länderübergreifender Geschichtsverein für das deutsche Mittelgebirge und außer in Braunschweig seit 2001 auch wieder in Wernigerode beheimatet. Zur Präsentation des 25. Jubiläumsbandes waren der 1. Vorsitzende Dr. Christof Römer, der 2. ( geschäftsführende ) Vorsitzende Dr. Christian Juranek und Kulturamtsleiterin Rita Ahrens erschienen. " Ohne den fnanziellen Beitrag der Stadt Wernigerode hätte die Postgeschichte nicht erscheinen können ", betonte Römer. Der Witwe Thea Flachs und der Harzbücherei gebühre weiterer Dank.

Das ungemein faktenreiche Buch schildert Vorfeld und Bedingungen für die Eröffnung eines Kurbrandenburgischen Postamtes am 2. März 1699. Der Band listet alle Postmeister in Wernigerode auf, nennt die Posthäuser und Poststraßen der Grafschaft. Mit der Entwicklung der Eisenbahn gab es Auswirkungen auf den Personenpostverkehr. Rasch hielt die Telegrafe nach 1862 Einzug. Die Reichsgründung 1871 brachte einen starken Aufschwung aller Postbereiche. In den Dörfern und auf dem Brocken wurden Postagenturen eingerichtet. Um 1880 begann der Bau eines Fernsprechnetzes ; 1897 gab es 18 Anschlüsse. Die Nummer 1 war die Käsefabrik Russo in der Feldstraße. Die letzte Postkutsche verkehrte 1913 von Wernigerode nach Elbingerode. Nach dem Ersten Weltkrieg folgte die Kraftpost – in den Orten maximal mit 30 km / h. Sogar mit Flugzeugen wurde täglich Post auf der Strecke Braunschweig – Wernigerode – Schkeuditz befördert. Rundfunk- und Fernsehsender entstanden auf dem Brocken ; 1935 öffnete in Schierke eine " Fernsehstube ". Am Ende des Krieges lag das Wernigeröder Postamt in Trümmern, zerstört 1944 durch eine Sprengbombe.

Ulrich Flachs / Jörg Brückner, " Zur Geschichte des Post- und Fernmeldewesens in Wernigerode von den Anfängen bis 1945 ", Lukas-Verlag, ISBN 978-3-86732-053-5.