Wernigerode. 1915 hatte der Reichsdeutsche Blindenverband das Erholungsheim am Wernigeröder Amelungsweg eröffnet. Dessen Anliegen war es zunächst, erblindeten Soldaten einen Erholungsaufenthalt zu bieten. Daran erinnerte Christine Oppermann-Zapf, als sie am Sonnabend bei einer Veranstaltung anlässlich des Internationalen Louis-Braille-Jahres Gäste durch die von ihr geleitete Begegnungsstätte führte. " Genießen Sie die Atmosphäre unseres Helmut-Kreutz-Hauses. Von Besinnung bis Begegnung, von Ruhe bis Unterhaltung. " Die Hausleiterin begrüßte neben Ludwig Hoffmann, Beiratschef der Helmut-Kreutz-Stiftung und Schirmherr der Veranstaltung, vor allem Menschen, die sich für die Moshé-Feldenkrais-Lernmethodeinteressieren. Diese trägt den Namen jenes israelischen Physikers, der sich mit umfassendem Lernen beschäftigt hatte. Es handelt sich um ein bewegungspädagogisches Konzept, mit dem sich u. a. Haltungs- und Bewegungsstörungen beeinfussen lassen. Besonders Krankengymnasten, Heilpraktiker und Bewegungspädagogen ließen sich zum Feldenkraislehrer ausbilden. Nach dem Vortrag mit Übungsbeispielen am Vormittag war es am Abend möglich, an einer Übungsstunde teilzunehmen.

" Urlaub für die Sinne " bietet die Aura-Pension am Amelungsweg, erläuterte Christian Winzerling. Wie der Leiter der Einrichtung sagte, verstehe sich die Pension nicht als Konkurrent zum Helmut-Kreutz-Haus, sondern als Mitbewerber, um blinden, anderen behinderten und älteren Menschen einen Urlaub zu ermöglichen. Im Rahmen des Braille-Jahres öffnete sich die Pension am Sonnabend für Interessierte, die sich Blindenhilfsmittel anschauen und an einer Lesung in Brailleschrift teilnehmen konnten.

Vorträge und Kurse

Zufall war, dass die ersten Besucher noch Musikstücke erlebten, mit denen sich blinde und sehbehinderte Menschen nach Abschluss eines Kurses zur Blindennotenschrift nach Louis Braille verabschiedeten. Auf Einladung des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes hatten sich 13- bis über 50-jährige Musikbegeisterte und Berufsmusiker zusammengefunden. Höhepunkt dieses Treffens war am 17. April eine Veranstaltung mit Lesung, Gesang und Musik im Rathaus. Die blinden Teilnehmer sagen Dankeschön für den guten Besuch sowie dem Landesmusikgymnasium und der Yamaha-Musikschule, die Instrumente bereitgestellt hatten.