Die Weißstörche in Derenburg und Veckenstedt haben im vergangenen Jahr im Landkreis Harz für Aufsehen gesorgt. In wenigen Tagen werden die ersten Tiere aus ihrem Winterquartier in Sachsen-Anhalt zurück erwartet. Werden auch die beiden Vorjahreshorste im Nordharz wieder besetzt ?

Veckenstedt / Derenburg. Schon vor einigen Wochen sorgte die Rückkehr von Storchenmann " Jonas " in Loburg in der Volksstimme für Schlagzeilen. Weitere Vögel blieben bislang jedoch aus. Der Grund ist einfach. " Jonas ", so Michael Kaatz von der Storchenwarte in Loburg gestern am Volksstimme-Telefon, " hat in diesem Winter sein Quartier in Spanien aufgeschlagen. Der Rückweg von der iberischen Halbinsel nach Mitteleuropa war somit relativ kurz. "

Aber in Kürze werden die nächsten Tiere in Sachsen-Anhalt erwartet. Michael Kaatz berichtete, dass ein weiterer mit einem Telemetrie-Sender ausgestatteter Vogel am Montag in Südrumänien geortet wurde. " Anfang nächster Woche erwarten wir ihn in Loburg zurück ", informierte der Sohn von Sachsen-Anhalts " Storchenvater " Dr. Christoph Kaatz. Die Rückkehr der schwarz-weißen Stelzvögel wird sich aber noch einige Wochen hinziehen.

Ein Tier mit dem Namen " Albert von Lotto " – seine Reisedaten sind über die Internetseite des Loburger Storchenhofes zu verfolgen – befand sich am 12. März erst in Simbabwe. " Albert " hatte sein Winterquartier in Südafrika aufgeschlagen. Die Experten rechnen mit mehreren Rückkehr-Schüben, da die Tiere die weite Reise in ihre Brutgebiete zumeist in losen Gruppen antreten.

Welche Rückkehr-Chancen bestehen für die Störche, die 2008 in Derenburg und Veckenstedt gesehen wurden ? Die größte Wahrscheinlichkeit auf eine Rückkehr haben die Derenburger mit ihrem Paar. Da sie den ganzen Sommer über in ihrem Horst auf dem Schornstein der Tenne waren, gehen die Fachleute davon aus, dass ihre Rückkehr sehr wahrscheinlich ist. Das Paar dürfte den selbst gebauten Horst als den ihren betrachten. Deshalb stehen auch die Chancen auf den ersten klappernden Nachwuchs in diesem Jahr recht gut. Ob aber der erste Storch, der vielleicht in Derenburg landet, auch einer von dem Vorjahrespaar ist, vermag keiner der Experten sagen. Möglich wäre auch, dass ein anderes Tier sich buchstäblich ins gemachte Nest setzt. Dann dürften zum Teil heftige Nestkämpfe zum Alltag gehören.

Beim Horst auf dem Veckenstedter Grundschuldach wird die Spannung auf eine Rückkehr größer sein. Nach mehreren Wochen im Horst hatten sich die Tiere im Vorjahr recht früh eine neue Bleibe gesucht. Der ehrenamtliche Storchen-Betreuer Georg Fiedler aus Rohrsheim erklärte dies mit einem ganz normalen Verhalten von Jungtieren. " Die Möglichkeit, dass der Horst in Veckenstedt wieder angeflogen wird, besteht auf jeden Fall. Aber auch dort gilt, dass nicht sicher ist, ob es die selben Tiere wie 2008 sind. Sind es aber die gleichen Vögel, dann wäre auch hier ein Bruterfolg möglich.

Und noch einen Hinweis gaben die Experten. Störche führen eine " Sommer-Ehe ". Nach dem Verlassen des Horstes im Spätsommer tritt jedes Tier des Paares allein die Reise ins Winterquartier an. Ebenso erfolgt die Rückkehr. Sollten die Störche also zurückkehren, dann wird dies zunächst ein Tier tun. Der Partner folgt zumeist einige Tage später. Ob sich in diesem Jahr auch die gleichen Partner wie im Vorjahr finden, ist ebenfalls nicht sicher. Ganz so treu wie Schwäne, die ein Leben lang zusammenbleiben, sind Störche nämlich nicht.