Eine Arbeitsgruppe der Akademie Überlingen hat in siebenmonatiger Arbeit ein Hörbuch erstellt. " Klänge der bunten Stadt " soll Blinde und Sehbehinderte auf Angebote und Attraktionen in Wernigerode aufmerksam machen.

Wernigerode. Gemurmel, das Tappen von vielen Füßen auf dem Straßenpfaster, das Dröhnen der Kirchenglocken – und in der Ferne der unnachahmliche Signalton der Brockenbahn. All das sind die Dinge, die wir wahrnehmen, wenn wir uns nur auf unsere Ohren verlassen – eben die " Klänge der bunten Stadt ". Zusammengestellt wurden diese jetzt für ein Hörbuch, das Blinden und Sehbehinderten die Stadt Wernigerode mit ihren vielen Attraktionen akustisch näherbringen soll.

Entstanden ist die Hör-CD in siebenmonatiger Arbeit in Zusammenarbeit mit der Akademie Überlingen, der Kommunalen Beschäftigungsagentur, der Stadtverwaltung und der Tourismus GmbH. " Unsere zehn Teilnehmer haben allesamt selbst Handicaps ", sagte Markus Schwalk gestern bei der Präsentation im Rathaus. Der Chef der Akademie Überlingen Wernigerode lobte vor allem den Enthusiasmus der Gruppe. " In Ihre Arbeit ist viel Liebe eingefossen. Das merkt man. "

Die CD führt die Hörer auf einer akustischen Reise durch die Altstadt von Wernigerode. Startpunkt ist das Rimbecker Tor. Von dort aus geht es durch die Breite Straße, vorbei an Fachwerkhäusern und der Krellschen Schmiede. Einen kurzen Stopp legen die Besucher in der Pfarrstraße an der Johanniskirche ein. Dann weiter zum Markt und zum historischen Rathaus. Mit der Pferdekutsche geht es hinauf zum Schloss. Und auch eine Fahrt mit der Brockenbahn zum Gipfel des höchsten Harzberges darf nicht fehlen. Das Erstaunliche : Auch ohne Bilder ist die Atmosphäre Wernigerodes, der Trubel auf dem Marktplatz – der Zauber der bunten Stadt am Harz spürbar.

" Das Ganze ist ein komplexes Projekt ", sagte Hartmut Gelhaar, der die Teilnehmer zusammen mit Heiko Bilsing anleitete. " Wir wollten feststellen, wie die Situation für Blinde in der Stadt ist, welche Aktivitäten für sie geboten werden. "

Dass das Fazit der Arbeitsgruppe durchaus positiv ausfiel, freute auch Andreas Heinrich. " Das Thema ‚ Barrierefreies Wernigerode ‘ beschäftigt uns gerade im Stadtrat ", so der Sozialdezernent. " Zudem ist die Geschichte der Stadt eng mit der Entwicklung der Blindenarbeit verbunden. " Mit der Aura-Pension und dem " Helmut-Kreutz " -Haus gebe es hier gleich zwei Erholungseinrichtungen für Sehbehinderte. Auch Erdmute Clemens, Chefin der Tourismus GmbH, war voll des Lobes : " Es ist toll, dass wir unseren Gästen diesen Service nun anbieten können. " Außerdem regte sie an, das Projekt nicht nur fortzusetzen, sondern sogar zu erweitern. " Wernigerode ist eine Stadt der Kultur und des Chorgesangs. Warum also nicht dieses Flair für ein weiteres Hörbuch einfangen ?" Das sah KoBa-Chef Dirk Michelmann ebenso : " Wir wollen uns auf diesem Feld weiter engagieren. Ich hoffe jedoch, dass diese Arbeit bei den Leuten ankommt, an die sie gerichtet ist. "

Die Hörbuch-Präsentation war im Übrigen nur der Auftakt für die Veranstaltungen im Louis-Braille-Jahr in Wernigerode ( siehe Infokasten ).