Die Fußgängerampel in Benzingerode ist gestern in Windeseile abgebaut worden. Damit zerplatzt die Hoffnung vieler Benzingeröder, sie für die Sicherheit der Schulkinder und älteren Bürger wieder in Betrieb zu nehmen.

Benzingerode. " Das habe ich kommen sehen, als ich den Bericht in der Harzer Volksstimme las ", sagt Rita Winkler. Die Rentnerin ist unfreiwillig Augenzeugin beim Abbau der Fußgängerampel auf der Hauptstraße in Benzingerode. " Nun ist der Zankapfel weg, und Ruhe ist ", stellt die 68-Jährige verärgert fest. Die Neu-Wernigeröderin, die aus Benzingerode stammt, könne die Sorgen um die Sicherheit der Kinder auf dem Schulweg sehr gut verstehen ( Volksstimme berichtete ). " Ich merke ja selbst, wenn ich aus dem Bus aussteigen und die Straße überqueren will, um zum Friedhof zu gelangen, wie unsicher ich mich fühle ", begründet Rita Winkler.

" Schön reingelegt hat man uns "

Während die zwei Mitarbeiter einer Elektrof rma aus Güntersberge gestern Vormittag weiter mit dem Abriss der Ampel beschäftigt waren, klingelten sich in der Volksstimme-Redaktion die Telefone heiß. Zahlreiche Leser beschwerten sich über den " plötzlichen Abriss " der Fußgängerampel. Darunter auch Jana Bode : " Es ist ärgerlich, denn für ein sicheres Überqueren genügt das Hinweisschild auf Tempo 30 nicht. " Ihr Kind komme in diesem Sommer in die Schule und werde täglich mit dem Bus fahren müssen. " Wohl ist mir bei dem Gedanken nicht ", so die besorgte Mutter.

" Ich habe solch eine Wut im Bauch ", reagiert Ortsbürgermeister Siegfried K. Müller auf die Bautätigkeit an der Hauptstraße. Vor allem deshalb, weil " wir weder beteiligt, noch über den Abriss informiert wurden ". Den Vorwurf richtet er an die Stadtverwaltung Wernigerode, die " wohl lieber schnell den Kopf eingezogen hat, weil man befürchtet, Benzingerode tritt wieder eine große Welle los ", und auch an das Straßenverkehrsamt. Bei einer Aussprache in der Behörde in Halberstadt sei dem Ortschaftsrat als Alternative für das Stilllegen der Ampel eine Querungshilfe in Aussicht gestellt worden. " Schön reingelegt hat man uns ", beschwert sich Müller und zieht die Blitzaktion als " Retourkutsche " für die aufgefrischte Ampel-Debatte.

Im Wernigeröder Rathaus waren die Verantwortlichen eingeweiht. Wie der Ordnungsdezernent Volker Friedrich auf Nachfrage bestätigt, sei dem Amtsleiter Wolfgang Arnecke Ende vergangener Woche die Demontage der Ampel " angekündigt " worden. Friedrich : " Ich bin trotzdem erstaunt, wie schnell es auf einmal ging. "

" Erstaunt, wie schnell es ging "

Den Vorwurf, die Benzingeröder nicht unterstützt zu haben, weist der Wernigeröder zurück. " Wie bereits gesagt, es gab keine neuen Erkenntnisse, die Ampelanlage wieder in Betrieb nehmen zu können. " Dies sei in der Stellungnahme der Kreisbehörde mitgeteilt worden. " Bei den weiteren Entscheidungen sind wir als Stadt außen vor ", betont Friedrich. Die Frage, ob die plötzliche Bautätigkeit auf die Volksstimme-Veröffentlichung vom 5. März zurückzuführen sei, vermochte der Dezernent " nicht zu beantworten ".

Auf Nachfrage in der Kreisverwaltung hat der verantwortliche Amtsleiter Heinrich Dhemant erst am Donnerstag Zeit für die Harzer Volksstimme. Außerdem wird über die Pressestelle auf die Straßenmeisterei des Landesbaubetriebes verwiesen, die Eigentümer der Ampelanlage sei.

In dieser Behörde in Halberstadt ist man auskunftsfreudiger. Michael Schanz, Leiter des Landesbaubetriebes Niederlassung West, bestätigt, dass der Auftrag für den Abriss in seinem Haus ausgelöst wurde. " Nachdem die Verkehrsbehörde der Kreisverwaltung ihren Stempel darunter gesetzt hat. " Dass die Benzingeröder nun den Eindruck haben, es sei wegen ihrer Diskussion mit dem Abriss der Anlage reagiert worden, " ist nicht von der Hand zu weisen ". Schanz versichert aber gegenüber der Harzer Volksstimme : " Es ist keine Trotzreaktion. Die Debatte wurde zum Anlass genommen, die längst überfällige gemeinsam gefasste Entscheidung zu Ende zu führen. " Es sei ausreichend getestet worden, die Verkehrsbelastung rechtfertige eine Inbetriebnahme nicht. Für solch eine Fußgängerampel belaufen sich die Kosten jährlich auf rund 400 Euro für Strom und 500 Euro für die Wartung. Schanz : " Wobei die Anlage in Benzingerode nur noch ein besseres Provisorium war. Hier hätte man ohnehin investieren müssen. " Der Abriss koste übrigens 800 Euro.

Aufstecken wollen die Benzingeröder nicht. In der Ratssitzung heute Abend ab 18 Uhr " ist die Ampel auf jeden Fall Thema ", sagt Bürgermeister Siegfried K. Müller. Übrigens