Wernigerode. Der Fall der Mauer jährt sich in diesem Jahr zum 20. Mal. Anlässlich dieses Jubiläums hat die Wernigeröder Stadtverwaltung zusammen mit Vereinen, Kirchen, Ensembles und interessierten Bürgern eine Veranstaltungsreihe mit Vorträgen, Diskussionsrunden, Filmen und Konzerten organisiert ( wir berichteten ).

Ein Filmabend im Remisenkino – präsentiert vom Wernigeröder Kunst- und Kulturverein – bildet am Mittwoch, 18. März, um 19. 30 Uhr den Auftakt für diese Reihe. Gezeigt werden zwei Dokumentarfilme von Gitta Nickel und Wolfgang Schwarze. Die Dokumentaristin Jutta Nickel zählte in der DDR zu den Besten ihres Fachs. Bisher hat sie mehr als 60 Filme gedreht. Wolfgang Schwarze war von 1968 bis 1991 Autor und Dramaturg beim DEFA-Studio für Dokumentarfilme. Seit 1994 ist er freischaffend. Er drehte mehr als 90 Dokumentarfilme für Kino und Fernsehen. Schwarze wird am Mittwoch als Gesprächspartner in der Remise anwesend sein.

" Jung sein – und was noch ?" ( 1977 ) gehörte in der DDR zu den verbotenen Filmen. In dem Film geben junge Schiffbauer von der Volkswerft in Stralsund bereitwillig Auskunft über ihren Alltag, ihre Arbeit, ihre Wünsche, Werte und Sehnsüchte. Ein offenes, ohne Scheu vor Konfikten gestaltetes Porträt einer Arbeiterbrigade. Nach der ersten Voraufführung in Stralsund versuchten Kreis-, Stadt- und Kombinatsleitung, den Film zu verbieten. Es folgten ein Stadtverbot für Stralsund und ein Drehverbot im Bezirk Rostock für Nickel und Schwarze. Auf Druck der Autoren und des Studios bei Kurt Hager ( Politbüro der SED ) wurde schließlich eine Vorführung für Honecker in Wandlitz organisiert. Honecker genehmigte danach eine Sendung im Fernsehen der DDR.

Im zweiten Film steht der Wernigeröder Buchhändler und Kabarettist Rainer Schulze im Mittelpunkt. In " Das Zünglein an der Wahrheit " ( 1987 ) spricht er über seine Stadt, die Pläne für ein Kunstzentrum und bietet einige Stadtansichten von Wernigerode vor 1989. Besonders interessant sind die Bilder, die den Kunsthof und die Remise zeigen. Das heute aus der Kulturszene der Stadt kaum wegzudenkende Ensemble zeigte sich damals in völlig anderer, sehr desolater Gestalt, was man nach 20 Jahren nicht vergessen sollte. Der Film wurde 1987 zur 111-Jahr-Feier von Jüttners Buchhandlung in Wernigerode uraufgeführt und lief ab 1988 als Vorfilm zu Loriots " Oedipussi " in der ganzen DDR.