Wernigerode. Die Plätze reichten zunächst in der Historischen Halle des Wernigeröder Schlosses nicht aus. Eine fleißige Helferschar holte noch Stühle herbei, so dass am Sonntagnachmittag dann doch alle Interessierten saßen, bevor Schloss-Geschäftsführer Dr. Christian Juranek gemeinsam mit dem Galeristen Gert Ilte die traditionelle Veranstaltung zum Museumsfrühlings eröffnete. Von Blankenburg bis weit ins Braunschweigische hinein hatte es sich herumgesprochen, dass " Kunst und Krempel " von den beiden Experten bewertet würden.

Freude über erworbene Schnäppchen und enttäuschte Hoffnungen lagen dicht beieinander. Insgesamt waren 30 Exponate zur Bewertung abgegeben worden, wobei es offensichtlich nicht immer leicht war, einen Wert in Geld festzulegen. Manche Exponate hätten Liebhaberwert, andere würden regional unterschiedlich gesucht. Manche Arbeiten mit langer Familiengeschichte sollten eigentlich, wie Juranek sagte, " unverkäuflich " sein.

Dazu zählte er einen Münzbecher aus dem Jahr 1898, den ein Patronatsherr jemandem für 25-jährige Dienstzeit geschenkt hatte und der seitdem von einer Generation zur nächsten weitergereicht und bei festlichen Anlässen benutzt wird.

Erbstücke sollten unverkäuf ich sein

Beide fachkundig agierenden Kunstkenner, die auch immer mal wieder ihre Erläuterungen mit etwas Humor würzten, gaben wertvolle Tipps. Fotoalben seien mehr als nur Familiengeschichte, sondern auch Zeitgeschichte. Sie sollten deshalb so beschriftet werden, dass sogar der Historiker damit etwas anfangen könnte.

Während der anderthalbstündigen Bewertung konnten viele schöne Dinge betrachtet werden, die oftmals wertvoller aussahen als sie tatsächlich sind. So dachten Laien bei einem Keramikteller, er sei kostbar. Die Kunstkenner aber : " 50 Euro sind schon ein Liebhaberpreis. " Bei einem Bild vermuteten hingegen Ilte und Juranek eine Sensation, um dann jedoch festzustellen, einen aufwendig hergestellten Lichtdruck vor sich zu haben. Bei einer Vase andererseits, die jemand für 500 Euro erworben hatte, sprach Juranek von einem Schnäppchenpreis. Das seltene handbemalte Stück bewertete er 300 Euro teurer.

Die beiden Bewerter sagten aber auch, dass es im Kunstmarkt ein Auf und Ab gebe, dann noch regionale Liebhaberpreise. Als Beispiel dafür nannte Juranek unter anderem ein Gemälde, das den Eingang des Lustgartens zeigt. " In unserer Region gibt es dafür eine höhere Bewertung, anderswo vielleicht gar keinen Interessenten. "