Wernigerode. Mit großen Erwartungen reist Katharina Steingaß heute nach Berlin. Die 47-J ährige nimmt am Wochenende im Auswärtigen Amt an der Europäischen Bürgerkonferenz teil. Dafür wurde die diplomierte Forstwirtin, die in Reddeber zu Hause ist, per Zufall ausgewählt.

" Ich erhielt einen Anruf, mir wurde das Anliegen mitgeteilt, und auf meine Bereitschaft hin, erhielt ich Informationsmaterial ", schildert Katharina Steingaß. Bei ihrer Recherche im Internet sei sie mehr und mehr interessiert geworden, ihre " Stimme zur wirtschaftlichen und sozialen Zukunft Europas einzubringen ". So lautet nämlich der " Auftrag " der insgesamt 150 – wie die Harzerin zufällig ausgewählten – Teilnehmer aus ganz Deutschland am Wochenende in der Bundeshauptstadt. Europaweit nehmen 1500 Frauen und Männer aus 27 Staaten an der Bürgerkonferenz teil.

Die Themen, die dabei zur Diskussion stehen, sind vielfältig. Sie reichen von klimafreundlichen Verkehrsmitteln über steigende Preise, Arbeitslosigkeit, Lücke zwischen Arm und Reich bis zum Schutz von Minderheitensprachen. Sie wurden von interessierten Bürgern bei einer sechsmonatigen Online-Debatte im Internet diskutiert. " Mit den daraus resultierenden Vorschlägen werden wir uns befassen ", weiß Katharina Steingaß. Spannend fndet sie, dass sich die deutschen Teilnehmer zeitgleich per Videokonferenz mit den Bürgern in neun anderen Staaten austauschen. " So etwas habe ich bislang nicht kennengelernt. " Diese Form des Dialoges, sei " ein guter Schritt dahin, dass die Bürger gehört werden, wie sie künftig leben wollen ". Denn, so Katharina Steingaß weiter, " sollten nicht nur Politiker, Berater und Strategen darüber entscheiden, wie das zukünftige Europa gestaltet werden soll ". Als Geschäftsführerin der Ländlichen Erwachsenenqualif zierung

Harz in Wernigerode erhofft sie sich auch für ihre Arbeit Anstöße. " Ich möchte den zweitägigen Aufenthalt auch berufich nutzen, zum Beispiel, um ein Projekt für mehr Demokratiebewusstsein zu entwickeln. "

Ziel der Bürgerkonferenz, deren Projektpartner die Robert Bosch Stiftung und das Auswärtige Amt sind, ist die Verabschiedung einer gemeinsamen Erklärung mit Empfehlungen. Diese fießen in den Europäischen Bürgergipfel am 10. / 11. Mai in Brüssel ein.