Das deutschlandweit einzige private Tierarztmuseum befndet sich im Harzkreis, und zwar nördlich des Huys. Dietmar Küchenmeister hat es in Badersleben auf seinem Wassermühlengrundstück eingerichtet.

Badersleben. Alljährlich Pfngstmontag ist in Badersleben der Teufel los. Dieses Jahr ganz besonders, denn an jenem Wochenende feiert das Dorf sein 925-jähriges Bestehen.

Ansonsten ist an jenem Montag stets der Deutsche Mühlentag, an dem die Baderslebener Wassermühle gewöhnlich 600 bis 1000 Besucher zählt. Gut ein Drittel dieser Besucherschar schaut sich dann auch das Tierarztmuseum an, das sich auf dem etwa 300 Jahre alten Dreiseitenhof über dem früheren Stall bef ndet.

Einen großen Raum umfasst die Ausstellung, die auf den ersten Blick wie die Symbiose einer Schlosserwerkstatt, einer Bibliothek und einem Gruselkabinett wirkt.

Nur einfach durchspazieren bringt dem Besucher wenig. Der Museumschef muss einfach Erläuterungen dazu geben, um zu verstehen, wofür die ganzen Zangen, Sägen und anderen Operationsbestecke benötigt werden.

Feste Öffnungszeiten gibt es im Tierarztmuseum nicht. Denn Dietmar Küchenmeister ist immer noch praktizierender Tierarzt im Dorf, auch wenn er im nächsten Jahr in Rente geht. So groß sind die Besucherzahlen nun auch nicht, dass man stets und ständig mit Gästen rechnen müsste. Aber es werden ständig mehr. Unter Berufskollegen ist die Baderslebener Einrichtung längst bekannt. Der Leipziger Zootierarzt Prof. Dr. Klaus Eulenberger, bekannt aus der MDR-Fernsehsendung " Elefant, Tiger & Co. ", war schon hier. Er hat bis 1970 zusammen mit Küchenmeister studiert. Mit ihm kam auch Dr. Uwe Landsiedler, der Vizepräsident der Bundestierärztekammer. Eine Tierarzt-Delegation aus Zypern war hier. Im Besucherbuch sind viele Seiten beschrieben, selbst auf Chinesisch. Und auch das Fernsehen war schon zweimal hier.

Als Dietmar Küchenmeister 1973 seinen Dienst in Badersleben antrat, " erbte " er von seinem Vorgänger vielerlei Sammelstücke. Gesammelt wurde weiter, so dass die Idee eines Museums schon früh im Hinterkopf war. Doch erst als Familie Küchenmeister im Jahr 2000 den großzügigen, aber sanierungsbedürftigen Mühlenhof übernahm, war auch Platz dafür vorhanden. Im Jahr 2004 war das Museum schließlich eingerichtet. Übrigens auf dem Hof, auf dem 1885 Friedrich-Heinrich Roloff geboren wurde. Er war später der Direktor der Berliner Tierarzneischule und in der Fachwelt ein bekannter Mann.

Nach fünf Jahren nun platzt das Museum bald aus den Nähten. Immer wieder kommen neue Exponate hinzu. Das Naturkundemuseum Magdeburg überließ Küchenmeister aus dem Fundus 75 Nasspräparate. In den Gläsern schwimmen Gehirne, Herzen und andere Körperteile von Tieren. Schon länger da sind ein Embryo vom Affen und ein Fötus vom Schwein. Vielerlei Schädelknochen von Flamingo bis zum Affen liegen im Regal. Was aussieht wie Steinkugeln oder Fellbälle, sind Magensteine. Wenn Schüler zu Besuch sind, zeigt Küchenmeister zu gern winzig kleine Knöchelchen. Das Staunen ist ihm gewiss, wenn er dann erzählt, dass das die Schlüsselbeine und Ohrknöchelchen eines Hundes sind.

Die Gasmaske und der Koffer zur Radioaktivitätsmessung haben sich nicht verirrt. Zu DDR-Zeiten waren Tierärzte innerhalb der Zivilverteidigung für die chemische und radiologische Kampfstoffkontrolle verantwortlich. Eine andere Gasmaske ist noch größer und älter. Sie wurde im Ersten Weltkrieg Pferden über Maul und Nüstern gestülpt.

Ein Fundus für Experten ist indes die Bibliothek mit der fast kompletten DDR-Tierseuchengesetzgebung. Besonders stolz ist Dietmar Küchenmeister über das Geschenk eines Wolfenbüttelers. Er übergab ihm kürzlich fünf Handbücher aus der " Thierheilkunde ". Das älteste stammt von 1785. Da es die Tiermedizin erst seit etwa 1730 gibt, dürfte es zu den allerältesten erhaltenen Fachbüchern gehören.

Wer sich das Tierarztmuseum anschauen möchte, wird gebeten, einen Termin per Telefon unter ( 03 94 22 ) 4 82 zu vereinbaren. Das Museum befndet sich am Paulsplan 3.

www. tierarztmuseum. de