Der Wohltäterbrunnen auf dem Marktplatz ist endlich wieder komplett. Dank der neuerlichen großzügigen Unterstützung des Fördervereins für die Wernigeroder Jagdkorporationen konnte am Sonnabend die nach der Originalvorlage gegossene Kreuzblumenspitze aufgesetzt werden. Ihr handwerklich schlichterer Vorgänger war vor zwei Jahren gestohlen worden.

Wernigerode. Gar merkwürdig gewandet präsentierte sich Peter Gaffert am frühen Nachmittag auf dem Markt. Allerdings aus gutem Grund, wie Wernigerodes Oberbürgermeister glaubhaft belegen konnte.

Passend zur feierlichen Einweihung der Spitze für den Wohltäterbrunnen hatte der Rathauschef eine Tracht aus der Biedermeierzeit angelegt. Denn der Mittelpunkt des Marktplatzes war ebenda im Jahre 1848 errichtet worden.

Er sei "vielen gewidmet worden, die der Stadt zum Wohle gewirkt hatten", vermerkte Peter Gaffert in seiner Ansprache zur Begrüßung. Die letzte Würdigung in Form eines vergoldeten Täfelchens stammt von 1991. Sie gilt Oberst Gustav Petri. Jenem Mann, der im April 1945 Wernigerodes Ausbau zur Festung und damit die Zerstörung verhindert hatte. Eine mutige Tat, für die der Offizier bei Drei Annen Hohne hingerichtet worden war.

65 Jahre später erinnerte der Oberbürgermeister auch an die Geschichte des in Ilsenburg im neogotischen Stil gegossenen Brunnens. Dessen originale Spitze in Form einer Kreuzblume war 1941 unter nie geklärten Umständen verschwunden. Der Ersatz dafür "spartanisch". Dennoch fanden sich Unbekannte, die dem 1991 sanierten Kunstwerk im Herbst vor zwei Jahren ihren krönenden Abschluss raubten. Gaffert: "Es gibt also Menschen, die sich selbst vor solchen Dingen nicht fürchten."

Um so größer ist die Freude bei den Stadtvätern, dass sich mit den Jagdstudenten erneut Gönner fanden, die diesen Verlust nicht nur ersetzen, sondern sogar veredeln konnten. Beim Wernigeroder Jagdkorporationen Senioren-Convent (WJSC) 2009 hatten dessen Vorsitzender Georg Graf von Kerssenbrock und Wolfgang Milcke als Chef des Fördervereins 2500 Euro für einen Neuguss gestiftet. Als diese Summe nicht ausreichte, gaben die Verbandsbrüder nochmals 600 Euro.

Insgesamt war das "ein Vorzugspreis" trotz der komplizierten Form und des nicht minder schwierigen Gusses betonte Burkhard Rudo. Wernigerodes Baudezernent: "Weil die Steinmetzschule Königslutter mitgewirkt hat."

Wolfgang Milcke bezeichnete es als "große Freude, die Spitze wieder überreichen zu können". Gleichzeitig ist es ein Zeichen für die Dankbarkeit der Mitglieder dieser 1924 vom Grafen zu Stolberg-Wernigerode auf dem Schloss der bunten Stadt am Harz gegründeten Vereinigung. Sie war 1990 hierher zurückgekehrt, um am Himmelfahrtswochenende ihr Jahrestreffen auszurichten.

Nachdem Milcke und Gaffert in einem Hubwagen die gusseiserne Kostbarkeit an ihren Platz gebracht hatten, präsentierten die Wernigeröder und Krefelder Jagdhornbläser den hunderten Schaulustigen noch einige mit Versen ergänzte musikalische "Jagdszenen".

Der Fördervereinschef verriet unterdessen der Harzer Volksstimme etwas über die nächsten Pläne des WJSC. 2011 wird der Kindertagesstätte im Stadtfeld ein "Klangpavillon" im Wert von 1500 Euro spendiert. Der "Wildpark Christianental" erhält einen Hasen aus Bronze. Wolfgang Milcke: "So groß ist der ja nicht."

   

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