Montagabend, 18.15 Uhr, Ilsenburg. Sirenengeheul zerreißt die Feierabendstimmung in der beschaulichen Ilsestadt. Doch die Feuerwehrleute rücken nicht etwa aus - sie rücken ein. Die Sirene galt dem Empfang des neuen Löschfahrzeuges.

Ilsenburg. "Sie kommen", hallte es aus luftiger Höhe am Montagabend über den Hof vor dem Gerätehaus der Ilsenburger Feuerwehr. Enrico Däumich, der Rufer, betreut nicht nur den Internet-Auftritt der Wehr, er filmte die Begrüßung des neuen Fahrzeugs vom obersten Platz auf der ausgefahrenen Leiter.

Und dann wurde es extrem laut. Der gesamte Feuerwehr-Fuhrpark war auf dem Hof aufgereiht. Mit schrillem Martinshorn wurde der neue Wagen begrüßt.

Zuerst rollte der Kleinbus vor, mit dem die Ilsenburger Abholmannschaft morgens um 6 Uhr die Reise nach Luckenwalde begonnen hatte. Dann wurde ein Wassertor aus mehreren Schläuchen gebildet, durch das das neue HLF 10/6 rollte. Am Steuer des Fahrzeugs, das für Hilfs- und Löscheinsätze geeignet ist, saß nicht etwa ein Maschinist, nein Wehrleiter Lutz Siebel ließ sich diesen Augenblick nicht nehmen. Jahrelang hatte er für das Fahrzeug gekämpft. Nun stand das neue Auto da.

"Auf dem Rückweg hätten wir besser helfen können"

Zur Abholmannschaft gehörte auch Steffen Waak aus dem städtischen Ordnungsamt. Als Hobbyfotograf hatte er schon bei der Hinfahrt auf der A 2 etwas zu tun. Wie es der Zufall wollte, fuhren die Ilsenburger auf einen brennenden Pkw zu. Dessen Insassen, eine spanische Familie, hatten das Fahrzeug bereits verlassen und auch ihre Sachen geborgen. Die Ilsenburger stoppten sofort, doch helfen konnten sie kaum.

"Wir hatten nur den zur Pkw-Ausrüstung gehörenden 6-Kilo-Pulverlöscher an Bord. Auf dem Rückweg hätten wir mit dem neuen Tanker besser helfen können, obwohl der auch noch nicht einsatzbereit gewesen wäre", so Siebel.

Und so erlebten die Ilsenburger ohnmächtig, dass auch der beste Feuerwehrmann ohne die nötigen Löschmittel machtlos ist. Das Fahrzeug brannte in wenigen Minuten aus. Bis die zuständigen Kollegen aus dem Jerichower Land an der Brandstelle waren, war alles zu spät. "Es war schon schlimm, aber wenigstens niemandem etwas passiert", meinte Siebel zu dem unfreiwillgen Zwischenstopp.

Alles andere verlief planmäßig. Die Rückfahrt wurde genossen, und der Empfang in der Heimat war brillant. Etwa 40 Interessenten, darunter selbstverständlich viele Kameraden, begrüßten das Fahrzeug. Lutz Siebel nahm die Taufe vor und spritzte Sekt über den rotfunkelnden Lack. Anschließend wurden alle Türen und Luken am Auto geöffnet, und das Staunen und Fachsimpeln begann.

Etwas mehr als 200 000 Euro hat der neue Tanker gekostet. Er ist nach vielen Sonderwünschen seiner künftigen Bediener ausgestattet. So verfügt das Fahrzeug über einen Wassertank für 1000 Liter anstatt der serienmäßigen 600 Liter. "Wir rechnen auch mit Bränden im Wald, da kann es nie schaden, wenn abseits der nächsten Wasserstelle etwas mehr Löschwasser an Bord ist."

In den kommenden Wochen heißt es für die gesamte Wehr, fleißig üben, denn der neue Tanker ist mit seinem Vorgänger nicht zu vergleichen. Wenn alles bereit ist, Auto und Mannschaft aufeinander eingestellt sind, dann wird das Fahrzeug offiziell in den Dienst der Bürger gestellt.

Und wenn alles gut läuft, dann könnte dies schon am 5. September geschehen. Dann gäbe es übrigens nicht nur die Indienststellung des neuen Tankers, sondern auch den 49. Jahrestag der Erstzulassung seines Vorgängers, des oft belächelten Mercedes, zu feiern. Für Letzteren beginnt dann der verdiente Ruhestand.