Schlangenalarm im Mühlental. Polizei und die Tierrettung der Feuerwehr sind am Sonnabend in den Wernigeröder Stadtteil Nöschenrode gerufen worden, nachdem Kerstin Kaie bei der Gartenarbeit eine Schlange entdeckt hat. Am Ende gab ein Experte Entwarnung und zollte der Wernigeröderin ein dickes Lob: "Frau Kaie hat alles richtig gemacht, und sie kann sich glücklich schätzen."

Wernigerode. Sonnabend, 14.45 Uhr, schönstes Wetter. Kerstin Kaie entschließt sich, im Garten nach dem Rechten zu sehen. Das Unkraut ist mächtig gewachsen. "Plötzlich liegt da auf dem Holzstapel eine Schlange", schildert die Wernigeröderin. Ihr zweiter Gedanke: "Sie macht es richtig und sonnst sich. Das sollte ich auch tun."

Die 43-Jährige ist von Hause aus eine Tierfreundin, nennt Katze und Hühner ihr Eigen. Sie hat auch schon so ihre Erfahrungen mit Räubern wie Fuchs, Waschbär und Milan gemacht. "Angst habe ich nicht, doch vor Schlangen einen Riesenrespekt." Kerstin Kaie holt schnell ihren Fotoapparat. Das seltene Schauspiel will sie trotzdem festhalten.

Es macht "knips"; die Schlange huscht geschwind ins Gebüsch auf dem kleinen Hühnerhof. Den Schnappschuss präsentiert sie dann ihren Kindern, "sie waren hell auf begeistert", und ihrem Mann Michael Schmidt. Er wird zunehmend skeptisch, ob es sich, wie vermutet wird, wirklich um eine Ringelnatter handelt. So richtig ist es auf dem kleinen Display der Kamera nicht zu erkennen. "Die typisch gelblich gefärbte Bauchseite habe ich nicht sehen können."

Kurzentschlossen ruft die Arztsekretärin die Polizei an. "Womöglich ist sie giftig, aus einem Terrarium entwischt. Nachbarn und vor allem Kinder wären in Gefahr." Auch bei der Frohnatur wächst nun die Vorsicht.

Ein Streifenwagen fährt im Mühlental 57 vor, die Polizei bittet die Tierrettung der Feuerwehr um Unterstützung. Michael Spors macht sich sofort auf die Suche. "Vor Jahren habe er schon einmal im Garten in der Kantstraße eine entwischte Königspython aufgespürt", sagt der Mann von der Wachbereitschaft der Feuerwehr und tastete mit einem Stock behutsam die Büsche ab. Der Polizeibeamte Ralf Sack nimmt derweil telefonisch Kontakt mit Kirsten Hergert von der Schlangenfarm in Schladen auf.

Die Beschreibung ist dem Experten zu ungenau. Mit Unterstützung der Volksstimme wird ihm das Foto zugesandt. Wenig später die Entwarnung. Hergert: "Es handelt sich definitiv um eine ungiftige einheimische Ringelnatter." Erleichterung, gegen 16.30 Uhr kann Kerstin Kaie wieder gewöhnlichen Dingen nachgehen.

Gegenüber der Harzer Volksstimme weist der Schlangenfachmann noch darauf hin, dass die Wernigeröderin "alles richtig" gemacht hat. Und: "Sie kann sich glücklich schätzen." Nicht jedermann bekommt ein vom Aussterben bedrohtes Tier zu Gesicht. Das feuchtwarme Wetter habe begünstigt, dass die Ringelnatter ihr Versteck zum Sonnen verlassen hat. Der Schlangenzüchter: "Und das Foto zeigt, sie hat sich in Frau Kaies Garten sehr wohl gefühlt."

 

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