Die Mitglieder des Wolmirstedter Tierschutzvereins hoffen, dass sich Bürger in Zukunft nur noch Tiere anschaffen, wenn sie sich ausreichend darum kümmern können. Noch werden zu viele Tiere im Tierheim abgegeben.

Wolmirstedt l "Freddy" ist ein sechs Monate alter Golden Retriever und lebt seit einer Woche im Tierheim. Er tollt schwanzwedelnd durch die Gänge und lässt sich schließlich unterm Bürotisch nieder. Obwohl das schöne Tier noch nicht lange auf der Welt ist, zeichnet sein Gesicht bereits eine Narbe. "¿Freddy\' wurde mit Maulkorb und Leine in der Wohnung gehalten", sagt Tierheimleiterin Nadine Horwitz. Für "Freddy" ist es ein Segen, dass er ins Tierheim gebracht wurde. Hier kann er eine Familie finden, in die er hineinpasst.

"Freddys" Schicksal als Abgabehund teilen viele Tiere. Im Wolmirstedter Tierheim wurden im vergangenen Jahr 26 Hunde abgegeben. Nicht alle haben bis dahin ein schweres Leben gehabt, viele wurden geliebt und als Familienmitglied betrachtet. "Tiere landen im Tierheim, wenn jemand in der Familie eine Allergie hat, wenn Kinder geboren werden, die Besitzer sterben oder ein Paar sich trennt", zählt Nadine Horwitz auf. Das sind alles verständliche Gründe, um sich von einem Haustier zu trennen. "Aber manchmal", sagt Nadine Horwitz, "haben wir den Verdacht, dass diese Gründe vorgeschoben sind und diese Abgabetiere überflüssige Tiere sind."

Das Abgeben von Hunden oder Katzen im Tierheim ist den Mitarbeitern allerdings immer noch lieber, als dass jemand sein Tier einfach aussetzt. Und das passiert häufiger, als den Tierschützern lieb ist. Allein im vergangenen Jahr sind 69 Fundhunde im Tierheim gelandet. Bei vielen hatten sich Herrchen und Hund tatsächlich verloren, "aber wir haben auch Hunde gefunden, die vor der Kaufhalle angebunden waren oder Katzen, die in einer Katzenbox ausgesetzt wurden", so Nadine Horwitz. Von den 69 Fundhunden konnten 55 wieder an ihre Besitzer zurückgegeben werden.

Manchmal greift auch das Ordnungsamt ein. Im Jahr 2013 haben die Mitarbeiter sechs Hunde in das Tierheim einweisen lassen.

Katzen werden noch öfter aufgegriffen, 71 im vergangenen Jahr, manche nach Autounfällen mit Knochen- brüchen. 21 Katzen wurden von den Besitzern abgegeben und vier wurden während eines Urlaubs oder einer Krankheit der Herrchen und Frauchen im Tierheim gepflegt.

Die Aufnahme von Fundkatzen ist jedoch eine heikle Sache. "Wilde Katzen sind sehr scheu", sagt Nadine Horwitz, "die können wir nicht vermitteln." Darum gehören die eigentlich nicht ins Tierheim und sollen in Zukunft auch nicht mehr aufgenommen werden. Selbst wenn die Gelegenheit genutzt wird, die Katzen zu kastrieren oder zu sterilisieren, bleibt die Frage der Kosten. "Wir finanzieren uns hauptsächlich aus Spenden, vor allem von Privatpersonen", sagt Nadine Horwitz. Nur so können beispielsweise die Tierarztkosten bezahlt werden.

Mit dem Geld einer Erbschaft ist auch die Quarantänestation entstanden, die im Sommer übergeben wurde. Im Obergeschoss des Anbaus war ursprünglich eine Mitarbeiterwohnung geplant. Dieser Plan wurde jedoch fallen gelassen. Das sind nun Vereinsräume.

Die Tierheimleiterin ist wie fünf weitere Mitarbeiter über den Bundesfreiwilligendienst im Tierheim beschäftigt. Zwei junge Leute leisten ihr freiwilliges ökologisches Jahr ab und regelmäßig helfen rund zehn Ehrenamtliche bei der Arbeit, vor allem beim Gassigehen mit den Hunden.