Ein Großaufgebot der Polizei hat Mittwochfrüh in Althaldensleben eine Cannabisplantage ausgehoben. Rund 1800 Pflanzen stellten die Beamten in einem ehemaligen Möbellager an der Neuhaldensleber Straße sicher. Beim Zugriff der Beamten wurde ein Vietnamese, der augenscheinlich in dem Lager hauste, vorläufig festgenommen.

Haldensleben l Es ist einer größten Drogenfunde in Sachsen-Anhalt, den die Polizei gestern in den frühen Morgenstunden in Althaldensleben gemacht hat. Rund 1800 Cannabispflanzen hat ein Großaufgebot der Polizei in einem ehemaligen Möbellager an der Neuhaldensleber Straße ausgehoben. Im Obergeschoss des Lagers war eine professionelle Aufzuchtanlage eingerichtet worden. Zahlreiche UV-Lampen sorgten für das rechte Licht und das passende Klima für die Pflanzen, eine aufwändige Lüftungsanlage für den Luftaustausch. Von außen deutete nichts auf die illegale Aufzuchtanlage hin. Die wenigen Fenster waren mit Folien zugeklebt worden.

Den Strom zum Betrieb der Anlage hatten sich die Täter besorgt, in dem sie den Stromzähler umgangen hatten. Dazu hatten sie im Obergeschoss eine imposante Verteileranlage Marke Eigenbau installiert.

Eine Hundertschaft der Polizei war am Morgen gegen 7 Uhr vorgefahren und blitzartig in das ehemalige Lager vorgerückt. Sie kamen so überraschend, dass ein Vietnamese, der augenscheinlich im Erdgeschoss des alten Lagers zwischen unzähligen Müllsäcken voller Erde hauste, völlig überrumpelt wurde. Er ließ sich widerstandslos vorläufig festnehmen. Bei ihm soll es sich ersten Erkenntnissen zufolge nicht um den Drahtzieher der Cannabiszucht, sondern um einen Helfershelfer handeln, der sich offenbar vor Ort um die Pflanzen kümmerte.

Anonymer Tipp bringt die Ermittler auf die Spur

"Die Ermittlungen konzentrieren sich auf drei Hauptverdächtige, einen Deutschen und zwei Vietnamesen", sagte Marc Becher, Pressesprecher der Polizeidirektion Nord, in Haldensleben. Die drei Hauptverdächtigen sollen sowohl in Haldensleben als auch in Tangermünde sogenannte Indoorplantagen betrieben haben. Zeitgleich war gestern Morgen in Tangermünde eine Aufzuchtanlage mit 800 Pflanzen ausgehoben worden. Auch hier war ein vietnamesischer Helfershelfer vorläufig festgenommen worden. Bei dem hauptverdächtigen Deutschen handelt es sich um einen Tangermünder, der beide alten Lagerhallen besitzt.

Auf die Plantagen war die Polizei durch einen anonymen Hinweis im Mai des vergangenen Jahres gekommen, erklärte Marc Becher. Umfangreiche Ermittlungen des federführenden Polizeireviers Magdeburg, zu denen auch Observationen der Hauptverdächtigen gehörten, begannen. Die Hinweise verdichteten sich im Laufe der Ermittlungen so weit, dass das Amtsgericht Magdeburg schließlich die Durchsuchung beider Lagerhallen genehmigte.

Drogenfund hätte geschätzte 400000 Euro bringen können

Mit Unterstützung der Haldensleber Polizei sowie einer Hundertschaft der Landesbereitschaftspolizei und der Tatortgruppe des Landeskriminalamtes wurde die Haldensleber Plantage akribisch genau untersucht und die Pflanzen auf Europaletten abtransportiert. Mehrere Stunden dauerten die Tatortuntersuchungen und Arbeiten vor Ort. Sämtliche Pflanzen wurden sichergestellt, einige von ihnen werden im Landeskriminalamt auf den sogenannten THC-Gehalt, den rauschwirkenden Bestandteil, untersucht.

Die in Haldensleben sichergestellten Pflanzen hätten rund 80 Kilogramm verkaufsfähige Drogen ergeben, hieß es von der Polizei gestern. Bei einem geschätzten Verkaufspreis von rund fünf Euro pro Gramm wären so gut 400000 Euro zusammengekommen. Daraus wird nun nichts, die Pflanzen werden nach den Ermittlungen vernichtet.

Was mit den drei Hauptverdächtigen sowie den beiden vorläufig festgenommenen Helfershelfern geschieht, müssen die weiteren Ermittlungen und Entscheidungen der Staatsanwaltschaft erbringen, so der Polizeisprecher. Auch, ob es weitere Tatverdächtige gibt, war gestern noch unklar. Denn zumindest im Haldensleber Lager waren zwei "Schlafplätze" eingerichtet.

Fest stand gestern zunächst, dass die beiden aufgegriffenen Vietnamesen vorläufig in Gewahrsam bleiben. Sie müssen noch mit Dolmetschern vernommen werden.

   

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