Wolmirstedt l Des einen Müll ist dem anderen ein Schatz, heißt es in einem Sprichwort. Obwohl der Samsweger Reiner Schilling seine alten Fotos und Alben über den Ersten Weltkrieg nicht in den Papierkorb schmeißen wollte, hatte er dennoch keine Verwendung mehr für die von seinem Großvater geerbten Sachen.

Das war ein Glück für Anette Pilz. Denn die Leiterin des Wolmirstedter Museums bereitet gerade eine Ausstellung über den Ersten Weltkrieg vor - und genau dafür sucht sie alte Fotos, Briefe oder Sonstiges aus dieser Zeit in Wolmirstedt und Umgebung. Reiner Schilling schenkte seine Sammlung dem Museum, zur Freude der Museumsleiterin. "Wir haben zum Beispiel ein Zigarettenalbum aus den 1920er Jahren bekommen", erzählt Pilz. Damals befanden sich in den Zigarettenpackungen Bildchen zum Sammeln, die man in die dazu passenden Alben hineinkleben konnte. Dass das Album vollständig ist, freue Pilz besonders.

"Ich freue mich über jedes Stückchen Geschichte."

Anette Pilz, Museumsleiterin

"So etwas kriegt man sonst nirgendwo", erklärt sie. Solche Schätze fände man nur auf Dachböden, in Kellern und verstaubten Zimmern, die lange nicht betreten wurden.

Mit Vorsicht zieht Anette Pilz ein über hundert Jahre altes Foto aus der Plastikhülle mit Spenden von Schilling. Es zeigt einen Bohrturm. Zwar ist dieses Foto für die kommende Kriegsausstellung Ende August nicht geeignet, "aber ich freue mich über jedes Stückchen Geschichte", so die Museumsleiterin. Der abgebildete Turm aus dem Jahr 1905 gehört zum Kaliwerk Samswegen. "Dieses Bild hätte ich schon viel früher brauchen können", sagt Pilz lächelnd. Genau wie die kleinen Büchlein, die Reiner Schilling ebenfalls dem Museum gespendet hat: Arbeitsordnungen und Lieferscheine, alles dem ehemaligen Kaliwerk zugehörig.

Bilder von Soldaten, eine Ehrentafel für Gefallene aus dem Ersten Weltkrieg: Die vielen neuen "alten" Schätze des Museums werden dieses Jahr noch zu sehen sein. Bis dahin wird die Ausstellung vorbereitet, von der Museumsleiterin Pilz noch nicht zu viel veraten will. Eine Bitte hat sie aber dennoch: "Falls jemand irgendwelche alte Gegenstände findet, aus welcher Zeit auch immer, kann er sie gerne dem Museum geben. Wir freuen uns sehr, Fotos oder Wehrpässe oder Feldpostkarten und -briefe auszustellen. So bleiben diese Erinnerungen auch für die Nachwelt erhalten."

Wer beim Aufräumen oder Aussortieren über solche Dinge stolpert, sollte sie nicht wegschmeißen. "Sie können für das Museum wertvoll sein. Und falls nicht, können wir es immer noch wegwerfen", meint Anette Pilz. Sie sei für alle Spenden dankbar, denn: "nicht alles, was unbedeutend scheint, ist es auch."