Wolmirstedt l Die große Kletter- und Balancieranlage im Garten des Heilpädagogischen Zentrums "Don Bosco" gleicht derzeit noch einer Baustelle. Das rote Absperrband untersagt das Betreten. Und doch hat man schon eine Vorstellung, wie es hier einmal aussehen könnte. Schwere Pflöcke aus Robinienholz, eine Hänge- brücke und dicke Seile, um sich daran entlang zu hangeln - ein Spielplatz, den es so kein zweites Mal gibt. Deshalb trägt er auch den Namen der Einrichtung: "Don Bosco". "Die Spielfläche wurde genau so für uns entworfen", sagt Einrichtungsleiterin Katja Binkowski.

Die Ideen für die Spielgeräte stammen aber nicht etwa von Ingenieuren oder professionellen Spielplatzbauern. Vielmehr wurde hier umgesetzt, was sich die Kinder tatsächlich wünschen. "Ein Jahr lang haben wir gemeinsam mit den Kindern überlegt, wie so ein Spielplatz aussehen könnte. Zuerst haben die Kinder ihre Wünsche mit Filzstiften kunterbunt aufgemalt. Danach haben wir kleine Modelle gebastelt. So konnten wir uns das alle viel besser vorstellen."

Die Modelle stehen noch im Regal. Kleine Rutschen aus Pappe, ein Trampolin und eine Schaukel wurden ausgeschnitten und fein säuberlich auf eine große Spanholzplatte geklebt. Umrahmt sind die Spielgeräte von kleinen Holzstäbchen, die einen großen Sandkasten darstellen sollen. Und sogar Bäume und Sträucher wurden von den Mädchen und Jungen mit eingeplant. "Fast alle Kinder und Jugendlichen haben mitgemacht. Es gab kaum jemanden, der keine Lust dazu hatte", sagt Katja Binkowski. Partizipation ist ein wichtiger Baustein in der Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen. Die Einrichtungsleiterin erklärt, warum: "Wenn die Mädchen und Jungen am Ende sehen, was sie durch ihre Ideen bewirken können, macht sie das stolz und sie übertragen das hoffentlich auch auf ihr eigenes Leben."

Im Dezember des vergangenen Jahres konnte bereits mit den Aufbauarbeiten der Balancieranlage begonnen werden. "Die Mädchen und Jungen haben ganz schön große Augen gemacht, als sie ihr Klettergerüst zum ersten Mal in Natura gesehen haben", sagt die Einrichtungsleiterin. Zu verdanken haben sie das zum einen ihrem Träger, der Caritas-Trägergesellschaft St. Mauritius, aber auch viele Spender konnten für das Projekt gewonnen werden. "Vor allem das Kali-Werk in Zielitz und der Landkreis Börde haben uns unterstützt, aber auch viele Spenden von Freunden und Partnern der Einrichtung konnten wir verbuchen."

Damit es mit den Arbeiten vorangehen kann, muss jetzt aber erst der Frühling Einzug halten. Dann wird die Grube mit Kies aufgefüllt, und rund um das Spielgelände werden Büsche und Sträucher gepflanzt. Und spätestens dann verschwindet auch das rote Absperrband. "Im Sommer können wir dann hoffentlich viel Zeit hier draußen verbringen", sagt Binkowski.

Bis es soweit ist, gibt es aber auch im Haus viele Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben. Kochen und Backen, Kraft- und Ausdauertraining, Lesen und Lernen oder Entspannung und Erholung - die 20 Mitarbeiter bei "Don Bosco" kümmern sich liebevoll um die 29 Mädchen und Jungen, die jungen Frauen und Männer im Heilpädagogischen Zentrum in Wolmirstedt. Während die einen am Abend das Haus wieder verlassen und in ihre Familien zurückkehren, haben die anderen hier ein neues Zuhause gefunden. Und das hat jetzt sogar einen eigenen Spielplatz.