Zwischen der Bundesforst und dem Landesforstbetrieb Sachsen-Anhalt sollen 4000 Hektar Wald den Besitzer wechseln. Der Tausch soll in diesem Jahr in mehreren Verfahrensschritten realisiert und 2015 mit der Berichtigung der öffentlichen Bücher beendet werden.

Dolle l Urheber des Tauschs von insgesamt 4000 Hektar Wald ist die Bundeswehr. Warum das so ist, erläutert Oberstleutnant Thomas Hering, Leiter des Truppenübungsplatzbetriebes: "Der Truppenübungsplatz Altmark verfügt über 23000 Hektar Übungsfläche. Davon sind 12000 Hektar Wald. Die Schutzwälder reichen beispielsweise in Dolle bis zu 1200 Meter und in Born bis zu 800 Meter an die Ortschaften heran. Wir wollen eine Verbesserung des Lärm-, Staub- und Sichtschutzes für die Anrainer und haben deshalb eine Bedarfsanforderung gestellt."

"Der Motor eines Leopard 2 erzeugt einen Geräuschpegel von 145 Dezibel."

Wie notwendig das ist, machte Hering an einem Beispiel deutlich. "Der Motor eines Panzers vom Typ Leopard 2 erzeugt einen Geräuschpegel von 145 Dezibel." Durch zielgerichteten Funktionswaldbau sollen die Wälder an den Platzgrenzen für einen optimalen Lärm-, Staub- und Sichtschutz sorgen.

Nach der Bedarfsanforderung der Bundeswehr kam es zu Verhandlungen zwischen dem Landesforstbetrieb Sachsen-Anhalt und der Bundesanstalt für Immobilenaufgaben, zu der die Bundesforst gehört. "Inzwischen sind umfang- reiche Wertermittlungsverfahren erfolgt", berichtete Karsten Pfaue von der Zentrale der Bundesforst. Bei dem Tausch der insgesamt 4000 Hektar Wald handele es sich um eines der größten Tauschverfahren der vergangenen Jahre in der Bundesrepublik, hob Pfaue die Dimensionen des Verfahrens hervor. Unter anderem waren dafür ein Kabinettsbeschluss der Landesregierung Sachsen-Anhalt und Beratungen im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages erforderlich. Der Tausch erfolgt nicht flächengleich, sondern wertgleich, betonte Pfaue die Wichtigkeit einer exakten Wertermittlung.

Im Zuge des Tauschverfahrens erhält die Bundesforst Waldflächen an der Peripherie des Truppenübungsplatzes. "Die Mehrzahl der Flächen befindet sich im westlichen Teil des Platzes an der Bundesstraße 71. Einige kleinere Flächen auch im südlichen Platzteil", informierte Rainer Aumann, Leiter des Bundesforstbetriebes Nördliches Sachsen-Anhalt, der seinen Sitz in Dolle hat.

Die Waldflächen sollen zur allgemeinen Verbesserung der Agrarstruktur sowie der zielgerichteten Waldgestaltung zum Schutz der Bevölkerung dienen, betonte Aumann. Darüber hinaus ist beabsichtigt, die für Bauarbeiten des Bundes, beispielsweise für den Bau der Autobahn 14 benötigten Kompensationsflächen, in die Verantwortung des Bundes zu überführen.

Durch den Tausch gebe es auch eine Verbesserung der durch Orientierung an in der Natur vorhandene erkennbare Abgrenzungen. Das sei insbesondere bei teilend wirkenden Verkehrslinien, wie den Bundesstraßen 71 und 189, der Bahnlinie Wolfsburg - Stendal sowie der künftigen Autobahn 14 wichtig.

Im Gegenzug bekommt der Landesforstbetrieb zwei bisherige Bundeswaldflächen im Harz, unweit von Königshütte sowie bei Tangerhütte. Beide Flächen waren ehemals von sowjetischen Truppen genutzte Übungsgelände.

"Diese Flächen werden durch den Tausch zu öffent- lichem Landeswald", informierte Bernd Dost, Direktor des Landesforstbetriebes Sachsen-Anhalt. Dost betonte, dass es sich bei dem Tausch um ein erfolgreiches Verfahren für den Landesforstbetrieb handelt. "Es gab eine sehr gute Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten", lobte er.

Alle im Tauschverfahren befindlichen Waldflächen bleiben dauerhaft Wald, sicherten sowohl Bundesforst, als auch Landesforst zu. "Die künftigen Bundeswaldflächen um den Truppenübungsplatz Altmark werden nicht in den Übungsbetrieb des Gefechtsübungszentrums Heer einbezogen", teilte Oberst Gunter Schneider, Leiter des Gefechtsübungszentrums mit. "Diese Wälder werden weiterhin für die Bevölkerung zugänglich sein. Der bisherige Sperrbereich des Übungsplatzes mit der bestehenden Beschilderung ändert sich durch den Landtausch nicht."

"Tauschverfahren dient in erster Linie den Bürgern der Anrainergemeinden."

Den Ablauf des Tauschverfahrens nach dem Flurbereinigungsgesetz koordiniert das Amt für Landwirtschaft, Forsten und Flurneuordnung Mitte (ALFF). "Dazu sind noch umfangreiche Vermessungs- arbeiten notwendig", informierte Christa Lüddecke vom ALFF. Unter anderem sind danach der Tauschplan aufzustellen und Anhörungstermine festzulegen. Das Verfahren soll noch in diesem Jahr ausgeführt werden. Für 2015 ist dann vorgesehen, die öffentlichen Bücher, wie Grundbuch, Kataster oder Baulastenverzeichnis zu berichtigen. Der Colbitzer Bürgermeister Heinz Kühnel sieht das angestrebte Tauschverfahren positiv. "Es dient in erster Linie den Bürgern der Anrainergemeinden."