Sabine Abd el Halim hat acht Jahre in Ägypten gelebt. Aufgrund der Unruhen ist sie mit ihrer Familie wieder nach Deutschland zurückgekehrt, nach Wolmirstedt. Hier möchte sie ihre arabischen Sprachkenntnisse weitergeben.

Wolmirstedt l Schönen guten Tag heißt auf Arabisch As-Salamu Alaykum. Sabine Abd el Halim spricht diese Worte lässig und wenn es darauf ankäme, könnte die 45-Jährige jedes Gespräch auf arabisch führen. Das ist neben Deutsch und Englisch die dritte Sprache, in der sie zu Hause ist.

Dabei verbrachte sie die ersten 35 Jahre ihres Lebens als Sabine Dreher ganz unspektakulär in Hessen. Mit 21 Jahren wurde sie Frisörmeisterin, es folgte der eigene Salon, nebenher wurde sie Betriebswirtin des Handwerks und unterrichtete an der Berufsschule Wiesbaden. "Als ich 35 Jahre alt war, konnte ich wegen meiner Hände nicht mehr als Frisörin arbeiten", erzählt Sabine Abd el Halim, "also machte ich den Laden zu." Zu dieser Zeit war längst eine andere Leidenschaft erwacht. "Ich hatte schon immer eine große Affinität zum arabischen Raum", sagt sie, also machte sie sich auf den Weg nach Ägypten. Arabisch hatte sie bereits bei einem tunesischen Dozenten gelernt, allerdings hocharabisch. Das hat im ägyptischen Hurghada niemand richtig verstanden. 550 Kilometer von Kairo entfernt wird ein eigener Dialekt gesprochen, den sich die Hessin erst aneignen musste.

Trotzdem hatte Sabine Abd el Halim keine Schwierigkeiten, im Land der Pharaonen Fuß zu fassen. Sie arbeitete im Hotel, war nach drei Jahren Assistentin des Hoteldirektors, kurz darauf stellvertretende Direktorin. Sie lernte alles über Marketing. "Der Generalmanager des Hotels hat mich vier Jahre lang gecoacht." Die Hessin fand in Hurghada die Liebe, die gemeinsame Tochter ist inzwischen vier Jahre alt. "Ich musste immer auf arabisch kommunizieren", sagt sie. Hotelmitarbeiter, die nicht direkt mit den Gästen zu tun haben, sprechen kaum englisch. Auch mit der Familie des Mannes waren Unterhaltungen nur auf arabisch möglich.

Dann begannen in Ägypten die Unruhen. "In Hurghada hat es auch Demonstrationen gegeben, aber ich fühlte mich nicht bedroht", sagt Sabine Abd el Halim. Doch das Leben wurde schwer, im Hotel blieben teilweise wegen Lieferschwierigkeiten die Kühltruhen leer. 2012 war die Rückkehr nach Deutschland besiegelt. Mit ihrer kleinen Tochter und einem Koffer flog sie zurück. Nach Hessen zog es sie nicht. Die Abd el Halims hatten in Ägypten eine junge Frau aus Wolmirstedt kennengelernt, die spontan angeboten hatte, dass Mutter und Tochter Abd el Halim vorerst bei ihr unterkommen können. Inzwischen ist die kleine Familie wieder beisammen, lebt in einer eigenen Wohnung, die Tochter besucht den Kindergarten. Irgendwann sollen die Möbel nachkommen, aber das eilt nicht. Sabine Abd el Halim hat Heimweh nach Hurghada, möchte irgendwann wieder zurück. Es ist ihr Land geworden, die Kultur, in der sie sich heimisch fühlt. Sie hofft, bald der Familie und Freunden in Ägypten helfen zu können. Die Lebenshaltungskosten haben sich dort seit der Revolution vervierfacht.

Aber vorerst wird es den Abd el Halims hier selbst nicht ganz leicht gemacht. Nach der steilen Karriere in Ägypten scheint hier niemand gewartet zu haben. Herr Abd el Halim, der in Ägypten ein anerkannter Betriebswirt war, muss erst Deutsch lernen, um hier arbeiten zu können. Das ist klar und das tut er auch. Aber auch Sabine Abd el Halim fand zunächst keine Möglichkeit, Geld zu verdienen. Eine Zeit lang arbeitete sie im Call-Center, nun zieht es sie wieder hin zur Bürotätigkeit. Sie lässt sich im Umgang mit Unternehmenssoftware weiterbilden. Am meisten aber reizt es sie, die arabische Sprache weiterzugeben. Am Donnerstag, 6.März, beginnt um 18 Uhr in Wolmirstedt ein Kurs an der Volkshochschule.

Anmeldungen unter Telefon 03904/72407260.