Wolmirstedt l Glindenberger Bürger haben sich zusammengetan und am 22. Januar das Aktionsbündnis "Hochwasserschutz an Elbe und Ohre" aus der Taufe gehoben. Sie wollen ihre Stimme erheben und das stößt manchen Stadträten sauer auf. "Das Thema eignet sich nicht, um Alleingänge zu machen", echauffierte sich SPD-Stadtrat Heinz Maspfuhl im Hauptausschuss, "ich hätte es für besser gehalten, im Vorfeld Kontakt mit dem Stadtrat aufzunehmen." Auch CDU-Stadtrat Uwe Claus monierte: "Der Stadtrat muss gemeinsam aktiv werden, denn dieses Thema berührt alle Bürger."

Die Vorwürfe richteten sich an FDP-Stadträtin Gisela Gerling-Koehler, die zusammen mit anderen Glindenbergern zu Gründungsversammlung des Aktionsbündnisses eingeladen hatte. Gerling-Koehler konnte die ganze Aufregung im Haupausschuss nicht verstehen. Schließlich war die Gründungsversammlung eher als "Findungsversammlung" konzipiert worden, in der geklärt werden sollte, ob die Glindenberger ein solches Aktionsbündnis überhaupt mittragen.

Gisela Gerling-Koehler hatte im Rat schon öfter angemahnt, dass sich die Stadt in Sachen Hochwasserschutz stärker gegenüber dem verantwortlichen Land Sachsen-Anhalt bemerkbar machen muss. Im November hatte sie den Antrag eingebracht, dass eine Bürgerversammlung organisiert werden soll und die Verantwortung für die Vorbereitung übernommen.

Bürgermeister Martin Stichnoth war in seinem Amt ebenfalls aktiv und hat sich inzwischen mit dem Umweltminister, Landrat und den anderen Bürgermeistern getroffen und erfahren, dass die Planung eines DIN-gerechten Elbdeiches sowie die Betrachtung der Trassenführung des Deiches um den Handwerkerring auf der Agenda des Landes stehen.

"Die Mitglieder des Aktionsbündnisses wollen diesen Prozess zusammen mit dem Stadtrat und der Verwaltung aktiv begleiten", so Gerling-Koehler.

Als Alleingang könne dieses Aktionsbündnis kaum gewertet werden. Im Glindenberger Hof hatten sich 23 Bürger eingefunden, Glindenberger, die im Juni vom Hochwasser direkt bedroht worden waren, die wissen, wie es sich anfühlt, evakuiert zu sein, die ihr Haus mit Sandsäcken zugebaut und die Möbel in obere Etagen getragen haben, deren Hab und Gut auf dem Spiel stand. Sie wollen sich nicht beschwichtigen lassen, hatte Reinhard Golz deutlich gemacht.

Gisela Gerling-Koehler lebt in Glindenberg und sagt, sie werde oft auf anstehende Maßnahmen angesprochen. Sie sieht ihre Aufgabe darin, die Anliegen der Bürger zu sammeln und der Verwaltung zuzuarbeiten. "Wir wollen von unten nach oben gehen", sagt sie, "und erreichen, dass wir in der Prioritätenliste des Landes nach oben rutschen." Dabei sollen künftig noch mehr Bürger mit ins Boot geholt werden, auch die Bewohner und Gewerbetreibenden von Obstgarten und Handwerkerring.

Auf der Gründungsversammlung des Aktionsbündnisses wurde der Termin für die nächste Zusammenkunft festgelegt. Am Donnerstag, 27. Februar, um 19 Uhr sind in den Glindenberger Hof alle interessierten Bürger und somit auch die Stadträte eingeladen. Im April soll es eine Zusammenkunft mit dem Umweltminister Hermann Onko Aeikens (CDU) im Katharinensaal geben. "Die Terminvoranfrage ist bereits gestellt", sagt Gisela Gerling-Koehler.