Niederndodeleben l Der Bauernverband Börde hat seit seinem Verbandstag, der am Mittwoch in Niederndodeleben stattfand, nicht nur einen neuen Vorsitzenden, sondern auch einen Ehrenvorsitzenden. In Anerkennung seiner Leistungen, die er in den vergangenen 24 Jahren im Sinne eines ganzen Berufsstandes erbracht hat, wurde der bisherige Vorsitzende Hans-Joachim Kraus zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Als Vorsitzender verschiedener Bauernverbände - erst des Kreises Wolmirstedt, dann des Ohrekreises und zuletzt seit 2006 der Börde - hat der 64-Jährige auf Kreis-, Landes- und Bundesebene intensiv die Interessen der Bauern vertreten. Als Geschäftsführer der Heide-Agrar-GmbH in Colbitz kannte er viele Probleme aus dem eigenen Berufsalltag.

Kurz bevor er aus dem Amt schied, hatte Kraus noch die Ehre, neben weiteren Ehrengästen den Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, zu begrüßen. "Es ist mein fünfter Besuch in Sachsen-Anhalt und immer kann ich etwas Neues dazulernen", sagte Rukwied schmunzelnd. Nachdem er letztes Mal während des Hochwassers in Sachsen-Anhalt war, habe er diesmal unter anderem erfahren, dass es nicht nur Böden mit sehr hohen Bodenpunkten in der Börde gibt.

Aber sowohl auf diesen als auch auf schwächeren Böden habe die Landwirtschaft in seinen Augen eine Zukunft. "Sie ist eine Schlüsselbranche des 21. Jahrhunderts", unterstrich er. Argumente dafür seien für ihn die zukünftig steigende Änderung der Ernährungsgewohnheiten und auch die steigende Nachfrage nach Energie aus nachwachsenden Rohstoffen. In Deutschland mache allerdings eine besonders kritische Bewertung durch die Bevölkerung den Landwirten das Leben schwer. Nicht selten spiele diese kritische Bewertung auch bei der Gesetzgebung eine wichtige Rolle. Um dem entgegenzuwirken, wollen beispielsweise auch die Bördebauern mehr Öffentlichkeitsarbeit durch Tage des offenen Hofes betreiben.

Als weitere Probleme, mit denen sich die Bauern auseinander setzen müssen, nannte Rukwied die Prämienkürzungen, die Flächenverluste oder die Düngeverordnung. "Da geht es um die Existenz der Bauernfamilie", sagte er. Er sprach von 4,5 Millionen Menschen, die in Deutschland im Agrar- und Ernährungssektor beschäftigt sind.

Für die Bauern in der Börde war nach Aussage von Hans-Joachim Kraus das vergangene Jahr aber nicht nur politisch, sondern auch witterungsbedingt ein schwieriges Jahr. Am prägendsten war für einige wohl das Juni-Hochwasser, was bei den betroffenen Landwirten in der Verbandsregion einen Schaden von etwa 2,4Millionen Euro anrichtete und teilweise existenzbedrohend war. Soforthilfen der Schorlemer-Stiftung des DBV und die Hilfsbereitschaft von Berufskollegen waren in den schwierigen Zeiten eine große Stütze. "Wir erwarten von der Gesellschaft ein generelles Umdenken für den vorbeugenden Hochwasserschutz", so Kraus, der sich einen runden Tisch zum Thema vorstellen kann.

Ob Getreide- oder Obst- und Gemüsebauern, Zuckerrübenanbauer oder Maisanbauer - alle hatten 2013 mit den Wetterkapriolen, die entweder das Wachstum oder die Ernte beeinflussten, zu kämpfen. Bei manchen Früchten mussten zudem Preisverluste einkalkuliert werden. Ebenso mussten die Betriebe mit Schweinen, Rindern und Geflügel mit gestiegenen Futterpreisen und fallendem Absatz rechnen. Die Schafhalter kämpfen nach wie vor um bessere agrarpolitische Rahmenbedingungen.

Für die Neuwahl des Vorstandes des Bauernverbandes Börde ließ Hans-Joachim Kraus anderen den Vortritt und kandidierte nicht noch einmal. 16 Kandidaten bekundeten ihr Interesse, künftig im Vorstand mitzuarbeiten. Letztlich entschied die Stimmenmehrheit, denn für den Vorstand waren nur 14 Mitglieder vorgesehen. Diese wählten aus ihren Reihen Urban Jülich aus Hadmersleben zum Vorsitzenden. Stellvertreter sind Joachim Klette (Alikendorf), Thomas Seeger (Rottmersleben) und Ronald Westphal (Niederndodeleben). Der fünfköpfigen Revisionskommission - sechs Mitglieder kandidierten - steht Brunhilde Jakobi aus Dreileben vor.

 

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