Wolmirstedt l Ein maskierter Mann forderte mit gezogener Pistole von einer 82-jährigen Mieterin in der Geschwister-Scholl-Straße Geld. Der Täter ist gefasst, die Pistole stellte sich als Schreckschusspistole heraus und wurde inzwischen sichergestellt.

Ukrainerin wusste nicht, dass Kohle auch Geld heißen kann

Das Drama ereignete sich bereits am Donnerstag gegen 14.15Uhr, wurde aber erst jetzt bekannt. Der Polizeieinsatz begann beinahe unspektakulär. Den Beamten war gemeldet worden, dass die Dame Opfer eines Enkeltricks geworden war. Doch die Angelegenheit stellte sich als weit brutaler heraus. Ein maskierter, etwa 25 bis 28 Jahre alter Mann habe an der Wohnungstür einer Spätaussiedlerin geklingelt, heißt es von der Polizei. Nachdem die Bewohnerin die Tür geöffnet hatte, stellte sich der Ganove offenbar als Polizist vor. Laut Polizeibericht zeigte er kurz seinen Bundespersonalausweis, zog eine Pistole, forderte "Kohle" und würgte die 82-Jährige am Hals.

Die gebürtige Ukrainerin wusste offenbar mit dem Begriff "Kohle" nichts anzufangen. Ihre Sprachkenntnisse erlaubten ihr nicht, Kohle mit Geld in Verbindung zu bringen. Der Täter fühlte sich unverstanden, heißt es von der Polizei, und setzte seine Forderung in der Wohnung fort. Ohne Erfolg. Schließlich habe er die Maske abgesetzt und die Wohnung verlassen. Bei der Flucht verlor der Täter ein Waffenteil.

Die Geschädigte informierte eine Angehörige, die rief die Polizei. Die Kripo informierten einen Notarzt. Der untersuchte die alte Dame, die Kripo beauftragte einen Dolmetscher und sicherte Spuren sowie Beweismaterial am Tatort. Zudem wurden Fahndungsmaßnahmen eingeleitet.

Täter beleidigte Freundin und warf mit Möbeln

Rund vier Stunden später, gegen 18.30 Uhr, wurden dieselben Beamten wieder in den selben Hauseingang der Geschwister-Scholl-Straße gerufen, diesmal zu einer Familienstreitigkeit. Ein 27-Jähriger mit 1,86 Promille im Blut beleidigte seine Freundin und warf während der Streitigkeiten Mobiliar in der Wohnung umher. Die Beamten sprachen dem Störer zunächst einen Platzverweis aus.

Schreckschusspistole gefunden

Bei den weiteren Ermittlungen wurde zwischen dem Hausrat eine Schreckschusspistole entdeckt. "Nach kurzer Überlegung zeigte der Beamte der 82-Jährigen, die im selben Haus wohnt, die Pistole, die sie auch sofort wiedererkannte", heißt es im Polizeibericht. Zudem prüften die Beamten das Waffenteil, das am Nachmittag bei der alten Dame aufgefunden worden war. Es gehörte zur Pistole.

Die Pistole wurde sichergestellt. Die Kripo nahm den Beschuldigten vorläufig fest. Nach der Ausnüchterung wurde er vernommen und erkennungsdienstlich behandelt. Während der polizeilichen Vernehmung räumte der 27- Jährige Wolmirstedter die Tat ein. Die Staatsanwaltschaft ordnete an, dass die Festnahme aufzuheben sei. Der Beschuldigte wurde auf freien Fuß gesetzt. Die weiteren Ermittlungen dauern an.