Haldensleben l Mit dem Anstieg an Asylsuchenden, die der Landkreis Börde vom Land zugewiesen bekommt, hat sich der Kreisausschuss auf seiner jüngsten Sitzung beschäftigt. Fachbereichskoordinatorin Iris Herzig informierte die Ausschussmitglieder über den aktuellen Stand sowie die Prognosen für die nächsten Monate. Demnach gerät der Landkreis allmählich an seine Kapazitätsgrenzen, was die Unterbringung der Asylsuchenden anbelangt.

Noch Platzkapazitäten bis April

Mit der bestehenden Gemeinschaftsunterkunft bei Harbke, angemieteten Wohnungen sowie eingerichteten Wohngemeinschaften für Asylsuchende im Kreisgebiet hat der Landkreis noch Kapazitäten bis April, sagte Iris Herzig. Danach werde der Platz knapp. "Wir haben jetzt den Betrieb einer zweiten Gemeinschaftsunterkunft öffentlich ausgeschrieben", erklärte Iris Herzig. Denn Prognosen gehen davon aus, dass in diesem Jahr noch etwa 350 Asylsuchende dem Landkreis Börde zugewiesen werden. Aktuell verzeichnet der Landkreis 25 bis 30 Zuweisungen pro Monat. Zwischen drei und sechs Monaten dauern die kürzesten Asylverfahren, sie können aber auch bis zu zwei Jahre andauern, erklärte die Fachbereichskoordinatorin im Ausschuss.

Seit zwei Jahren - vor allem mit den Bürgerkriegen in Syrien und anderen arabischen Ländern - steigen die Zahlen wieder, heißt es vom Landesverwaltungsamt. Das Landesverwaltungsamt ist zuständig für die zentrale Anlaufstelle für Asylbewerber in Sachsen-Anhalt und die Unterbringung der Asylbewerber in den einzelnen Landkreisen entsprechend festgelegter Quoten. Der Landkreis Börde nahm im vergangenen Jahr 251 Asylbewerber auf. Im Jahr 2012 waren es noch 139, und 2011 kamen 94 Bewerber in den Landkreis.

Höchstens 200 neue Plätze

Mit einer zweiten Gemeinschaftsunterkunft soll kommenden Asylsuchenden nun Platz geboten werden. Allein mit angemieteten Wohnungen kann der Landkreis dem Anstieg an Asylsuchenden nicht begegnen. Zudem haben es die Asylsuchenden auch schwer, wenn sie ohne Sprach- und Ortskenntnisse und häufig aus einem anderen Kulturkreis nach Deutschland kommen und allein in einer Wohnung zurechtkommen müssten. Da wäre es einfacher, sie zunächst in einer Gemeinschaftsunterkunft unterzubringen, in der es auch direkte Ansprechpartner gibt, noch dazu in einem Flächenkreis wie dem Landkreis Börde, so Iris Herzig.

Höchstens 200 Plätze darf die neue Gemeinschaftsunterkunft laut Vorgaben haben. "Da können Sie sich ausrechnen, dass wohl auch noch eine dritte Gemeinschaftsunterkunft kommen muss", sagte die Fachbereichskoordinatorin im Ausschuss.

Gudrun Tiedge (Die Linke) interessierte im Ausschuss, ob es denn ein Konzept zur Unterbringung der Asylsuchenden im Landkreis gebe und wo die zweite Gemeinschaftsunterkunft eingerichtet werden solle. Die Lage der Unterkunft bei Harbke am Waldrand sei ja für die Integration der Asylsuchenden nicht gerade optimal.

Was den Standort für die neue Unterkunft anbelange, so müsse die Ausschreibung abgewartet werden, sagte Iris Herzig. Der Landkreis habe entsprechende Vorgaben gemacht, was die Teilhabe der Asylsuchenden am gesellschaftlichen Leben anbelangt. Für die Unterkunft von nicht dauerhaft bleibeberechtigten Ausländern, wie der Fachbegriff heißt, gibt es eine Leitlinie vom Land. Darin heißt es auch, dass sich die Einrichtungen möglichst in zentraler Lage befinden sollten. Öffentliche Verkehrsmittel sollen erreichbar sein, Kindereinrichtungen und Schulen sollten für Familien in der Nähe sein.

Umfrage unter Bewohnern

Zwei Wochen läuft die Ausschreibung, dann wird der Landkreis die Angebote und Bewerbungen prüfen. Sollte sich kein Anbieter finden, müsse der Landkreis in direkte Verhandlungen mit möglichen Betreibern einsteigen, erläuterte die Fachbereichskoordinatorin das Procedere.

Iris Herzig gab im Ausschuss aber auch zu bedenken: "In der Bevölkerung und in manchen Gemeinden gibt es Vorbehalte - aus welchen Gründen auch immer. Auch darauf werden wir uns einstellen müssen."

Die Unterkunft in Harbke würde unter den dort lebenden Asylsuchenden als positiv empfunden. Das habe eine Umfrage unter den Bewohnern ergeben, erklärte Iris Herzig. Kritisiert worden war einzig die Anbindung der Unterkunft an den öffentlichen Personennahverkehr. Und hier habe man bereits reagiert.

Dass sich am Zustand der Harbker Unterkunft in den vergangenen Jahren viel getan habe, konnte die Harbkerin Gabriele Brakebusch (CDU) nur bestätigen. Aus Ge- sprächen mit Asylsuchenden habe sie erfahren, dass sie sich dort wohl fühlten. Vor einigen Jahren war der Zustand der Unterbringung noch in der Öffentlichkeit kritisiert worden. Hier habe sich in der Vergangenheit viel zum Positiven gewandelt, so Gabriele Brakebusch.

Die Integration der Asylsuchenden sei auch für sie wichtig, erklärte CDU-Kreistagsfraktionschefin Elisabeth Engelbrecht im Ausschuss. Genauso wichtig seien aber auch die Meinung der Betroffenen und die Thematik der Betreuung.

Mit dem Thema beschäftigt sich heute auch der Kreistag.