Die beinahe frühlingshaften Temperaturen lassen nicht nur die Natur erwachen. Auch die Bienen werden bereits rege, fliegen aus und sammeln erste Pollen. An sich kein Problem, weiß Imker Hartmut Trautvetter aus Wedringen. Einzig ein längerer Kälteeinbruch könnte den Bienen gefährlich werden.

Wedringen l Der milde Winter hat die Bienen schon früh auf Trab gebracht. Schon vor gut 14 Tagen flogen die ersten Bienen aus. So auch beim Imker Hartmut Trauvetter. Auch seine Bienen starteten bereits durch, brachten die ersten Pollen von Haselnuss oder Weiden mit. In kleineren Mengen auch Nektar der Frühblüher wie Krokus.

Dass die Bienen schon so früh im Jahr aus ihrer "Winterstarre" erwacht sind, sei kein Problem, weiß der passionierte Imker. Doch wo Sonne ist, da ist auch Schatten. Denn das Wohl der Bienenvölker hängt stark von der Dauer der Wärmeperiode ab. Sobald längere Zeit mehr als 10 oder 12 Grad Celsius herrschen, fliegen die Bienen verstärkt aus. Und: Sie beginnen mit der Nachwuchsaufzucht.

"Wenn es dann nochmals lange sehr kalt wird, dann kann das für die Bienen zum Problem werden", sagt der Wedringer Imker. Denn die Brut muss stets warm gehalten werden. Das kostet Kraft, die bei einem Kälteeinbruch ihren Tribut fordern könnte. "Die Bienen würden sich wieder zu einer Kugel zusammenziehen und die Brut verlassen", so Hartmut Trautvetter.

Ein zeitiges Frühjahr macht den Imkern oder besser ihren Bienenvölkern in einem anderen Punkt arg zu schaffen. "Unsere Völker finden in der Natur immer früher keine Nahrung mehr. Schon ab Mitte Juli ist die Tracht vorbei. Dabei ist der Nektar, also die Kohlenhydrate, nicht unbedingt das Entscheidende, das kann der Imker ersetzen. Es fehlt insbesondere der Blütenstaub als Eiweißnahrung. Die kann der Imker nicht künstlich zuführen. Verursacher dieses frühzeitigeren Mangels ist der Klimawandel, insbesondere aber auch die Verarmung der Pflanzenvielfalt, auch in der Landwirtschaft. Früher gab es noch ausgedehnte Flächen mit verschiedensten Kleearten - im Juli/August beispielsweise Rotklee - und anderen Blühpflanzen, heute finden sie in dieser Zeit höchstens noch Mais", sagt der Imker.

Wie gut die Bienen diesen Winter überstanden haben, lässt sich erst mit Sicherheit sagen, wenn es noch einige Tage länger warm bleibt. Die Prognose des Wedringers, der im Sommer mit Nachwuchsvölkern bis zu 100 Völker hat, ist aber eher positiv.

Aktuell treibt die Imker ein ganz anderes Problem um: die mögliche Anbauzulassung der gentechnisch veränderten Maislinie 1507 durch die EU-Kommission. Die Bundesregierung hatte sich in der Abstimmung darüber enthalten, nun droht eine Anbauzulassung. "Diese Pflanze entwickelt im Inneren selbst Gift gegen Schädlinge. Wie sich das auswirken wird, ist noch gar nicht erforscht. Wir Imker gehen aber davon aus, dass es durch den Genmaisanbau auch Bienenverluste geben wird", sagt Hartmut Trautvetter.

Ähnlich sehen es auch die Grünen in Sachsen-Anhalt. Die Landtagsfraktion warnt vor möglichen Gefahren für die Umwelt - und für die Bienen. Die landwirtschaftliche Sprecherin der Grünen-Fraktion, Dorothea Frederking, fordert von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) "alle möglichen Schritte zur Aufrechterhaltung der Gentechnikfreiheit auf Sachsen-Anhalts Äckern zu unternehmen". Die Grünen hoffen dabei auf ein nationales Anbauverbot. "Dazu müssen Gutachten zu den Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt eingeholt werden. Die Pollen des Genmaises 1507 sind 350mal giftiger als von MON810-Mais, der in Deutschland wegen Risiken für die Umwelt verboten wurde. Außerdem müssen die bestehenden Regelungen verschärft werden, sodass gerade Bienen geschützt werden. Die aktuell positiven Entwicklungen der Imkerinnen und Imker und ihrer Bienen in Sachsen-Anhalt dürfen durch den Anbau der Maislinie 1507 nicht gefährdet werden", so Frederking.

"Wenn dieser Genmais auch hier angebaut wird, dann kommt das auch in den Honig", sagt Imker Trautvetter, der weiß, dass mehr als 80 Prozent der deutschen Bevölkerung Gentechnik in Lebensmitteln ablehnt. "Erst im Januar hat das EU-Parlament die Gesetze so geändert, dass Honig, der Pollen von gentechnisch veränderten Pflanzen enthält, nicht gekennzeichnet werden muss. Das ist ein Schlag gegen die Verbraucher, gegen die deutschen Imker und auch ein Schlag gegen die Natur. In Zukunft wird beispielsweise kanadischer Rapshonig mit solchen Inhalten unerkannt in den Regalen stehen."