Mittlerweile vier Generationen sind im Ebendorfer Karneval am Start. Zum Höhepunkt am Sonnabend hielten sie neben dem Schlachtruf "Molle-molle" auch einige Neuerungen bereit.

Ebendorf l Einen Elferrat und eine Garde hat es im blau-weißen Karneval von Ebendorf schon ewig gegeben, aber von einem Prinzenpaar - so wie es andere Vereine haben - wollten die Jecken des Ebendorfer Carneval Clubs (ECC) nie etwas wissen. Zumindest solange bis eine Mutter, die vom Karnevalsvirus ergriffen wurde, die Frage in den Raum stellte: Warum gibt es hier eigentlich kein Prinzenpaar?

Die Idee kam bei den Jecken am Röthestrand gut an und so verstärkte Prinz Carlo (Böttger) in diesem Jahr die Reihen des Elferrates, der das bunte Programm aus erhöhter Position beobachtete. Und der Neunjährige, der sein zwei Jahre jüngeres Schwesterchen Hanna als Prinzessin an seiner Seite hat, hatte richtig viel zu tun. Die Vergabe der begehrten Orden lag ganz in seiner Hand.

Mit Carlo und auch mit den kleinen Tanzmäusen mischt mittlerweile die vierte Generation im Ebendorfer Karneval mit. Gemeinsam haben die Mitglieder des ECC wieder ein Programm aus Tanz, Büttenreden und Sketchen gezaubert. Zahlreiche Stunden sind in den vergangenen Monaten fürs Probieren und Einstudieren draufgegangen, bis auch der letzte Tanzschritt saß. Und so sorgten Sechsjährige in einem ausverkauften Haus ebenso für Stimmung wie der Senior mit seinen inzwischen 71 Jahren. Selbst personelle Lücken in der Narrenriege, die durch Krankheit oder anderweitige Verpflichtungen entstanden waren, konnten fast unmerklich ausgeglichen werden. Das Publikum forderte wie gewohnt zahlreiche Zugaben.

Unter anderem fehlte mit Helmut Müller krankheitsbedingt ein Urgestein, das eigentlich aus dem jährlichen Ebendorfer Karnevalsprogramm nicht wegzudenken ist. Damit der Schmerz über seinen Ausfall nicht zu groß ist, hatten die ECC-Narren beispielsweise für einen Sketch Jürgen Beyer und das "Rotz-TV" engagiert, der das Karnevalsprogramm live zu ihm in die Kuranlagen von Bad Wildungen übertrug. So konnte Helmut Müller auch verfolgen, wie sich der Barleber Bürgermeister Franz-Ulrich Keindorff (alias Kai Hörauf) und Ebendorfs Ortsbürgermeister Manfred Behrens (alias Wolfgang Bruhnke) mit ihren geplanten Großbauprojekten profilierten.

Wie aus den Vorjahren schon gewohnt, sind es aber nicht nur die regionalen Politiker, die es in Ebendorf närrisch treiben. Auch die große Prominenz rennt hier offene Türen ein. Zwar war der amerikanische Präsident Barack Obama (noch) verhindert, aber neben "Flintenuschi" Ursula von der Leyen samt Soldaten-Gefolge erschien auch der Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Ihm zuliebe wurde schon zu Saisonbeginn das närrische Motto angepasst: "Der Bischof von Limburg ist ein armer Wicht, er sah den Mühlenhof und die Röthebrücke in Ebendorf noch nicht".

Dafür aber hat er sich ein tanzendes Nonnen-Sextett mit Ebendorfer Wurzeln gesucht, das es verstand, die Tanzfläche zu rocken. Damit war auch der zweite Auftritt der No-Name-Dancers nach der Premiere im Vorjahr ein Hit. Den gestanden Blue-White-Dancers und dem Männerballett standen sie in nichts mehr nach. Und mit den Tanzmäusen, die auch ihre erste Choreografie zeigen durften, ist weiterer tänzerischer Nachwuchs für künftige Veranstaltungen in Sicht.

Heute reisen die Ebendorfer Jecken mit ihrem Festwagen nach Groß Ammensleben, um die Gutensweger und deren Ebendorfer Prinzen bei ihrem Rosenmontagsumzug zu unterstützen. Und vielleicht kommt in einigen Jahren ein weiterer Gutensweger Prinz aus Ebendorf - dann schon mit närrischer Erfahrung.

   

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