Loitsche l Zu einem Tag der offenen Tür lud am Sonnabend die Erziehungsfachstelle "Waldfrieden" ein. Hier leben fünf Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren in einer familienähnlichen Wohngruppe. Sie versuchen unter Anleitung von Sozialarbeiterin Martina Göpfert und ihrer Erzieherkollegen ihren Alltag zu strukturieren und fit für das Leben zu werden.

Das Leben der jungen Bewohner ist aus der Bahn geraten. Probleme mit den Eltern, Schulverweigerung, Ängste, Süchte, mangelnde Belastbarkeit - die Liste der Schwierigkeiten, mit denen sie kämpfen, ist lang und vielschichtig.

"Wir bieten unseren Schützlingen Hilfe an, es liegt an ihnen, ob sie mitziehen oder eben nicht. Vor allem geht es um die Strukturierung ihres Alltags. Das müssen sie lernen. Dazu ist für diese Kinder und Jugendliche mit teils heftigen Problemen das Leben in kleinen Gruppen besser geeignet als beispielsweise in einem Kinderheim", erklärte Martina Göpfert.

Ihre Schützlinge lernen Verantwortung zu übernehmen, für sich, aber auch die Tiere, die auf dem Grundstück leben. Esel und Pferd, Ziegen und Schafe, Meerschweinchen, Hund und Katze, auch Kaninchen und Wellensittiche müssen versorgt sein, ganz gleich ob die Jungs Lust haben oder nicht. Das Gleiche gilt für den Alltag zwischen Küche und Wohnzimmer.

Zwischen drei Monaten und sechs Jahren leben die jungen Leute im "Waldfrieden". Seit 2002 haben 15 junge Leute in Loitsche einen Neustart mit Hilfe ihrer Fachbetreuer gewagt. In der familienähnlichen Betreuung sind die Pädagogen "dichter an den Jugendlichen dran. Das ist ein großer Vorteil" , betonte Martina Göpfert, ebenso die Einbindung in das soziale Umfeld mit Nachbarn, mit dem Dorf, in der Schule oder im Ausbildungsbetrieb.

Zum Tag der offenen Tür kamen Freunde und Verwandte, Lehrer wie Kerstin Ahlers, die stellvertretende Leiterin der Zielitzer Sekundarschule, oder Alrun Tech von der Bundesagentur für Arbeit, die seit Jahren engen Kontakt zu Martina Göpfert und ihren Bewohnern hält. Auch Bürgermeisterin Bettina Seidewitz schaute wie in jedem Jahr vorbei.

Die jungen Bewohner führten ihre Gäste durchs Gelände, zeigten ihr Haus. Sie hatten Kuchen gebacken, boten Kaffee und grillten Bratwurst. Sie zeigten mit Schulkameraden ihr Können im "Breakdance" und "Jumpstyle", erzählten von ihrem Alltag im "Waldfrieden". Ihr Zuhause ist eine Chance, die sie nutzen wollen. Dabei gibt es Rückschläge und Fortschritte. Sie haben ihr Wohnhaus neu gestrichen, in der oberen Etage die Fenster erneuert und begonnen, einen alten Bungalow abzureißen. "Wenn sie wollen, können sie richtig fleißig sein. Wenn sie wollen, genau da liegt oft das Problem, an dem wir tagtäglich arbeiten", unterstrich Martina Göpfert.

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