Stefan Schulze hat in seiner Altersklasse die Mathematikolympiade von Sachsen-Anhalt gewonnen. Am Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasium wird ihm das Rüstzeug vermittelt.

Wolmirstedt l Stefan Schulze mag Knobelaufgaben. Es reizt ihn, geometrische Figuren zu berechnen oder geometrische Reihen fortzusetzen. Diese Leidenschaft sicherte dem 13-Jährigen die Teilnahme an der Landes-Mathematikolympiade. Mit 39 von 40 möglichen Punkten fuhr er den Landessieg ein.

"Meinen Klassenkameraden habe ich noch nichts erzählt", sagt der Junge, der in Dahlenwarsleben zu Hause ist. Er ist stolz auf das Ergebnis, aber damit hausieren zu gehen, nein, das kommt nicht in Frage. Stefan ist zu bescheiden. "Ich bin mir sicher, die Klasse würde sich mit ihm freuen", versichert Mathelehrerin Christiane Luther. Das glaubt Stefan Schulze auch. Trotzdem, er schweigt.

Seine Begabung für Mathematik war schon in der Grundschule aufgefallen. "Meine Lehrerin hat mir den Korrespondenzzirkel des Werner-von-Siemens-Gymnasiums empfohlen", sagt Stefan Schulze. Das Magdeburger mathematisch-naturwissenschaftlich-technisch orientierte Gymnasium verschickt Aufgaben, deren Lösung ein besonderes mathematisches Verständnis erfordert. An diesem Korrespondenzzirkel beteiligt sich Stefan Schulze noch heute. "Manchmal hilft mir mein Vater die Lösung zu finden", sagt der Junge. An das Siemens-Gymnasium möchte er trotzdem nicht wechseln. "Ich habe hier meine Freunde."

Er vermutet, dass er die Begabung für Mathematik von seinem Vater geerbt hat. Ansonsten scheinen Vermutungen nicht so sein Ding zu sein. Der Junge, der seine Worte stets mit Bedacht wählt, verlässt sich lieber auf Berechnungen, lässt nicht locker, bis die Lösung klar vor ihm liegt. "Ich rechne immer neue Aufgaben", sagt der Siebtklässler, "damit ich für die Schul- und Landes- olympiade gewappnet bin."

"Mathematik kann man trainieren", bestätigt Mathelehrerin Christiane Luther, "das Gehirn ist ein Muskel." In den Aufgaben der Korrespondezzirkel und Mathe- olympiaden sieht sie eine gute Vorbereitung auf ein Mathematikstudium. Das ist zwar nicht der Wunsch von Stefan Schulze, aber die Richtung stimmt. "Ich möchte Automatisierungstechnik und Robotik studieren", blickt der Gymnasiast voraus. Den internationalen Robo-Cup, wo Experten selbstgebaute Roboter zeigen, besucht er gerne.

Zur Landesmathematik-Olympiade waren 40 Schüler seiner Altersklasse aus Sachsen-Anhalt im Hörsaal der Uni Magdeburg zusammengekommen. Freitag und Sonnabend schrieben sie jeweils viereinhalbstündige Klausuren. "Ja, der Kopf hat geraucht", bestätigt Stefan Schulze. Zur Siegerehrung am Sonnabend war alles vergessen. "Meine Eltern haben sich mit mir gefreut."

Christiane Luther hatte die Begabung ihres Schülers sofort erkannt. "Ich sehe es an seinem Gesicht, dass er den Stoff beim ersten Erklären verstanden hat." Andere brauchen länger und um die muss sich die Mathelehrerin auch kümmern. Aber angesichts des "Olympiasieges" nimmt sie sich vor, Stefans Talent in Zukunft stärker zu fördern.

"Ich mag in der Schule neben Mathe besonders den Sportunterricht", sagt Stefan Schulze. In seiner Freizeit hat er sich jedoch wieder dem Denken verschrieben. "Ich spiele im Verein Schach."